Die Ukraine steht im Zentrum der Debatte um einen neuen Gesetzentwurf zur Videoüberwachung im öffentlichen Raum. Politische Experten und Menschenrechtsaktivisten äußern ernsthafte Bedenken hinsichtlich der möglichen Folgen dieses Gesetzes für die Privatsphäre und den Schutz der Bürgerrechte. Insbesondere der Politikexperte Wolodymyr Jaworskyj behauptet, der Gesetzentwurf ähnele eher den Standards Chinas und Russlands, wo die Massenüberwachung der Bevölkerung Teil der staatlichen Kontrollpolitik sei.
So werden wir niemals in die EU kommen. Das Innenministerium hat über die Abgeordneten den Gesetzentwurf Nr. 11031 zur Videoüberwachung im öffentlichen Raum vorgelegt. Dieser Entwurf übernimmt alle Standards Chinas und Russlands und enthält keinerlei Standards zum Schutz der Menschenrechte; er verweist lediglich auf allgemeine Normen.
Es kommt heutzutage tatsächlich sehr selten vor, dass ein Gesetzesentwurf Menschenrechtsstandards überhaupt nicht berücksichtigt. Normalerweise wird zumindest etwas davon beachtet. Und hier – absolut gar nichts. Nicht einmal die grundlegendsten Standards.
Das Projekt schafft ein System zur totalen Überwachung aller Bürger, da es neben Videoüberwachung auch die Identifizierung von Personen anhand biometrischer Daten und den automatischen Abgleich dieser Daten mit anderen Registern ermöglicht. Tatsächlich ist es möglich, innerhalb kürzester Zeit Informationen über die Bewegungen jeder Person im öffentlichen Raum zu sammeln und diese bei Bedarf auszuwerten. Dies kann gegen politische Gegner, Geschäftskonkurrenten, zur Suche nach kompromittierendem Material usw. eingesetzt werden.
Schlussfolgerung des Parlamentsausschusses für die Integration der Ukraine in die Europäische Union: Der Gesetzentwurf widerspricht den Zielen des Assoziierungsabkommens und den völkerrechtlichen Verpflichtungen der Ukraine sowie dem Besitzstand der EU.
Es gibt keinerlei finanzielle Rechtfertigung. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich Journalisten dringend zur Recherche empfehle. Einige Jahre vor dem Krieg startete das Innenministerium ein Pilotprojekt, im Rahmen dessen chinesische Videoüberwachungstechnik für viele Millionen Dollar angeschafft wurde. Die Journalisten von „Schemes“ erwähnten bereits, dass auch russische Ausrüstung zum Einsatz kam. Das heißt, sie kaufen chinesische Kameras und Geräte, deren Erwerb beispielsweise in den USA aufgrund der Gefährdung der nationalen Sicherheit verboten ist. Ich bin sicher, dass sich in diesen Verfahren bezüglich der Ausrüstung viele interessante und vielleicht sogar korrupte Vorgänge finden lassen, die der nationalen Sicherheit nicht dienen. Und jedes Jahr werden wir Millionen für die Implementierung dieses Systems ausgeben.
Trotz alledem äußert sich der stellvertretende Innenminister Leonid Tymchenko öffentlich zu dem Gesetzentwurf und wirbt dafür. Meiner Meinung nach bestehen erhebliche Zweifel an der fachlichen Eignung derjenigen, die ihn nicht nur entwickelt, sondern auch im Parlament eingebracht haben und ihn nun propagieren, denn diese Vorstellungen bewegen sich in einer völlig anderen Welt und basieren auf einem völlig anderen Wertesystem.

