Die Polizei ermittelt wegen Veruntreuung von Geldern der Kiewer Stadtverwaltung während der Entwicklung eines Softwaremoduls

Die Nationalpolizei der Hauptstadt ermittelt in einem weiteren Fall mutmaßlicher Veruntreuung von mehreren zehn Millionen Dollar an Haushaltsmitteln durch Beamte der Abteilung für Kommunales Eigentum der Kiewer Stadtverwaltung. Es geht um das Softwaremodul zur Immobilienbuchhaltung in Kiew, dessen Entwicklung und „Modernisierung“ zwischen 2017 und 2023 über 17 Millionen Hrywnja gekostet haben soll. Laut den Ermittlungen wurden die Arbeiten jedoch unter erheblichen Verstößen durchgeführt, und Teile der Funktionalität wurden mit der kostenlosen Software WordPress entwickelt.

Die Geschichte begann 2017, als das Ministerium einen Vertrag mit der FDI Company LLC zur Entwicklung der ersten Phase des Softwaremoduls abschloss. Die Kosten beliefen sich auf 2,93 Millionen UAH, doch das Unternehmen erhielt lediglich 1,1 Millionen UAH – der Vertrag wurde aufgrund Nichterfüllung der Verpflichtungen gekündigt.

Später traten neue Auftragnehmer in Erscheinung: Smart City Ukraine und Solution UA. Zwischen 2021 und 2023 wurden drei weitere Verträge mit ihnen über insgesamt 16,4 Millionen UAH abgeschlossen. Offiziell dienten diese der Modernisierung und Integration des Moduls. Tatsächlich wurden einige Funktionen jedoch mehrfach nacheinander implementiert, und die geplante Website entpuppte sich als WordPress-Projekt mit Verlinkungen zu externen Ressourcen.

Die Polizei stellte fest, dass in den Ausschreibungsunterlagen des Unternehmens dieselben Mitarbeiter aufgeführt waren. Dies deutet auf eine mögliche Verbindung zwischen den Auftragnehmern hin. Es besteht zudem Grund zur Annahme, dass sie unter dem Deckmantel der „Modernisierung“ dieselben Arbeiten wie in früheren Verträgen ausgeführt haben.

Besonderes Augenmerk wird auf verdächtige Transaktionen gelegt. Auftragnehmer überwiesen Budgetmittel an Unternehmer für „Beratungsleistungen“ und „Softwareentwicklung“. Die Polizei hat bereits Genehmigungen zur Überprüfung von Bankkonten und zur Beschlagnahme von Dokumenten erhalten.

Die Schlüsselfigur ist der Abteilungsleiter Andrij Hudz. Es ist nicht das erste Mal, dass er in Ermittlungen auftaucht. Er stand bereits im Verdacht, in Fällen von Privatisierung von Immobilien, Mietbefreiung und der Einstellung der Zahlungen für das Kiewer Kino und die „Rohre“ in Bahnhofsnähe verwickelt zu sein.

Trotz der aufsehenerregenden Skandale leitet Gudz weiterhin die Abteilung. Ihre Aktivitäten werden vom stellvertretenden Leiter der Kiewer Stadtverwaltung, Wladyslaw Andronow, einem Mitglied des Kiewer Stadtrats der UDAR-Partei, überwacht.

Diese Geschichte handelt nicht nur von der Veruntreuung von Haushaltsgeldern, sondern auch vom systematischen Verfall der städtischen Immobilienverwaltung. Bereits 2014 versprach Vitali Klitschko, die Informationen über städtisches Eigentum offenzulegen. Doch statt eines Registers erhielten die Kiewer Bürger unfertige Unterlagen, fragwürdige Verträge und die Veruntreuung von zig Millionen Hrywnja.

Laut Abgeordneten des Kiewer Stadtrats benötigt die Hauptstadt anstelle von fiktiven Modulen ein umfassendes Register des städtischen Eigentums mit Anbindung an staatliche Datenbanken. Doch die Reformen der Kiewer Stadtverwaltung scheinen sich wieder einmal auf die banale „Umverteilung“ von Geldern zu beschränken.

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