Die Legende von „Polubotoks Gold“ zählt zu den bekanntesten historischen Rätseln der Ukraine. Der Legende nach übergab der amtierende Hetman Pawlo Polubotok vor seiner Verhaftung zwei Fässer Gold bei der Bank von England und hinterlegte sie „im Namen der Saporoger Armee“ unter der Bedingung, dass der Schatz nur von einem unabhängigen ukrainischen Staat beansprucht werden dürfe. Die Legende besagt, dass die Zinsen über 300 Jahre hinweg das Vermögen auf Billionen Pfund Sterling vermehrten – genug, um jedem Ukrainer 38 kg Gold zu geben.
Es gibt jedoch keine schriftlichen Belege für diese Einzahlung. Alle Anfragen an die Bank von England blieben mit der Antwort unbeantwortet, dass die Archive keinerlei Erwähnung eines solchen Einlegers enthalten. Historiker sind sich einig, dass die Legende auf dem realen Reichtum Polubotkas beruht, der seine Zeitgenossen in Erstaunen versetzte. Er war einer der reichsten Vertreter der linksrheinischen Gesellschaft, und sein Vermögen wurde im Volksglauben zum Inbegriff von „Gold in London“.
Polubotoks wahrer Reichtum erklärt sich durch seine wirtschaftlichen Aktivitäten. Er erbte ein beträchtliches Anwesen und erweiterte es aktiv, indem er Land aufkaufte, großzügige staatliche Zuteilungen erhielt, Mühlen, Wirtshäuser und Schmieden errichten ließ und Dutzende von Industrieanlagen am linken Seineufer besaß. Eine wichtige Einnahmequelle war Kali – das „weiße Gold“ des 18. Jahrhunderts, das für die Herstellung von Glas, Seife und Metallwaren unerlässlich war. Polubotok handelte zudem rege mit Getreide, Wachs, Tabak und anderen Waren und knüpfte über die Häfen von Danzig und Holland Kontakte zu europäischen Kaufleuten.
Historiker berichten, dass Polubotok einen Teil seines Goldes in Salpeterfässern aufbewahrte, und Dokumente belegen seine Einlagen bei Danziger Bankhäusern. Nach den Maßstäben des 18. Jahrhunderts wurde sein Vermögen auf Millionen von Dukaten geschätzt, was ihn zu einem der reichsten europäischen Magnaten machte.
Polubotok war auch eine politische Figur: Nach dem Tod Hetman Skoropadskys wurde er amtierender Hetman und forderte die Wiedereinführung der Autonomierechte des Hetmanats. Seine aktive Haltung zur Selbstverwaltung rief den Unmut Peters I. hervor, und 1723 wurde Polubotok verhaftet und starb dort. Die Volksüberlieferung ergänzte seine Geschichte um Mythen über den Fluch des Zaren und den „Schatz in London“.
Moderne Forscher betonen: Obwohl Polubotok einen Teil der Gelder im Ausland angelegt haben könnte, ist eine Einzahlung bei der Bank von England nicht belegt. Die Legende von „Polubotoks Billionen Pfund“ ist Teil des ukrainischen Kulturguts geworden – ein Symbol des Kampfes für Freiheit und Gerechtigkeit. Gleichzeitig belegt die tatsächliche wirtschaftliche Tätigkeit des Hetmans seinen Einfluss auf die ukrainische und europäische Wirtschaft des 18. Jahrhunderts.

