Die russischen Raketen- und Drohnenangriffe auf Kiew erfolgten im kältesten Winter seit Jahren und führten zu weitreichenden Ausfällen der Heizungs-, Strom- und Wasserversorgung. Der kritische Zustand der Infrastruktur veranlasste Kiews Bürgermeister Witali Klitschko, eine akute humanitäre Katastrophe auszurufen und die Einwohner, denen dies möglich ist, dringend aufzufordern, die Stadt vorübergehend zu verlassen.
Klitschko äußerte sich so in einem Interview mit der britischen Zeitung „The Times“. Seinen Angaben zufolge haben allein im Januar bereits rund 600.000 Menschen Kiew verlassen. Die Hauptstadt zählt derzeit über drei Millionen Einwohner, doch die Lebensbedingungen vieler von ihnen verschlechtern sich rapide.
Der Bürgermeister wies darauf hin, dass infolge russischer Angriffe Tausende von Wohnhäusern ohne Heizung waren. Aufgrund der extrem niedrigen Temperaturen und der Gefahr von Rohrbrüchen mussten die Versorgungsunternehmen das Wasser aus einem großen zentralen Heizsystem ablassen, um noch größere Schäden zu verhindern.
„Wir haben es nicht nur mit Schäden an der Infrastruktur zu tun, sondern mit einer direkten Bedrohung für das normale Leben der Menschen“, betonte Klitschko.
Seinen Angaben zufolge befindet sich Kiew seit dem 9. Januar, dem Datum des letzten großen Streiks in Russland, der mit dem Beginn der kältesten Winterperiode der letzten zehn Jahre zusammenfiel, in einem Zustand periodischer Stromausfälle und minimaler Heizung.
In der Nacht zum 20. Januar führten russische Truppen einen weiteren großangelegten Beschuss der Ukraine durch. Nach vorliegenden Informationen setzten die Besatzer eine Zirkon-Anti-Schiffsrakete, 18 ballistische Raketen vom Typ Iskander-M/S-300, 15 Marschflugkörper vom Typ Ch-101 und 339 Kampfdrohnen ein. Diese Angriffe zerstörten nahezu vollständig die Ergebnisse der Reparaturarbeiten an den Energieanlagen, die nach dem vorherigen Beschuss durchgeführt worden waren.
Klitschko erklärte, dass beide jüngsten Raketenangriffe ein Wärmekraftwerk in Kiew getroffen hätten. Infolgedessen sei die Temperatur in einigen Wohnungen so stark gesunken, dass die Bewohner die Badezimmer wegen gefrorenen Wassers nicht benutzen könnten. An den Fenstern bildeten sich Eiszapfen, was auf eine kritische Kälte in den Wohnungen hindeute.
Der Bürgermeister der Hauptstadt betonte, dass Russland gezielt die Energie- und Wärmeinfrastruktur der Stadt angreift, um Kiew die Möglichkeit zu nehmen, den Winter normal zu überstehen.
„Die Russen wollen in unserer Heimatstadt eine humanitäre Katastrophe auslösen, damit die Menschen im Winter erfrieren“, sagte Vitali Klitschko.
In diesem Zusammenhang rief er die Einwohner Kiews, die die Möglichkeit haben, in andere Regionen oder ins Ausland zu reisen, dazu auf, die Hauptstadt vorübergehend zu verlassen, bis sich die Lage bei der Wärme- und Energieversorgung stabilisiert hat.

