Ein starker Anstieg der Dieselpreise in der Ukraine könnte zu einer Preiserhöhung von etwa 10 % bei den meisten Lebensmitteln führen. Gleichzeitig bestehe jedoch keine Gefahr einer Lebensmittelknappheit im Land. Dies berichtete Oleksandr Buyukli, Geschäftsführer der Ersten Ukrainischen Landwirtschaftlichen Genossenschaft.
Seinen Angaben zufolge liegt das Hauptproblem für den Agrarsektor nicht in der Produktion selbst, sondern in den gestiegenen Logistikkosten. Die Ukraine ist nach wie vor Nettoexporteur vieler Agrarprodukte, sodass die Rohstoffversorgung für die Lebensmittelproduktion gesichert ist. Die gestiegenen Dieselpreise wirken sich jedoch direkt auf die Transportkosten für Rohstoffe und Fertigprodukte aus.
Buyukli merkte an, dass allein in der letzten Woche die Preise für Dieselkraftstoff und Mineraldünger stark gestiegen seien. Seinen Angaben zufolge läge die Ursache in Veränderungen auf dem globalen Energiemarkt, insbesondere in der angespannten Lage um den Iran sowie in Wechselkursschwankungen.
Laut Marktdaten lag der Dieselpreis in den zentralen Regionen der Ukraine bereits vor der Verschärfung der Lage im Nahen Osten bei etwa 50–53 Hrywnja pro Liter. Inzwischen ist er auf etwa 70 Hrywnja pro Liter und mehr gestiegen.
Landwirtschaftliche Betriebe benötigen im Durchschnitt etwa 50–80 Liter Dieselkraftstoff pro Hektar Land und Saison. Aufgrund der gestiegenen Kraftstoffpreise zahlen Landwirte möglicherweise 20–30 US-Dollar zu viel pro Hektar.
„ Das ist zwar bemerkbar, aber nicht entscheidend. Vieles hängt vom Ertrag ab. Je höher er ausfällt, desto niedriger sind die Getreidekosten “, erklärte der Experte.
Gleichzeitig wird sich der Preisanstieg bei Mineraldüngern laut Buyukli nicht so stark auf die Produktionskosten auswirken. Die meisten großen und mittelständischen Agrarbetriebe hätten die benötigten Düngemittelmengen bereits im Winter – im Dezember und Januar – zu den alten Preisen eingekauft.
Den größten Preisanstieg werden die kleinen landwirtschaftlichen Betriebe zu spüren bekommen, die Düngemittel üblicherweise unmittelbar vor Beginn der Feldarbeit kaufen.
Trotz der schwierigen Lage auf den Energiemärkten verfügt der ukrainische Agrarsektor über ausreichend Erfahrung in der Krisenbewältigung. Laut Experten hat der Markt in den Jahren 2022 und 2023 bereits deutlich größere Herausforderungen gemeistert, sodass der aktuelle Kostenanstieg keine gravierenden Produktions- oder Lieferengpässe verursachen dürfte.

