Viele kennen das Gefühl, wenn ein Traum extrem lebhaft und emotional erscheint, aber wenige Minuten nach dem Aufwachen nur noch Bruchstücke oder gar nichts mehr übrig ist. Wissenschaftler erklären: Dies ist keine Gedächtnisstörung, sondern ein natürlicher Vorgang, der im Gehirn während des Schlafs stattfindet.
Die intensivsten Träume treten während der REM-Schlafphase (Phase der schnellen Augenbewegungen) auf. In dieser Zeit formt das Gehirn aktiv Bilder, Geschichten und emotionale Erlebnisse. Gleichzeitig sind die Bereiche, die für Logik, Kontrolle und Langzeitgedächtnis zuständig sind, wie beispielsweise der präfrontale Cortex, weniger aktiv. Daher werden Träume fast nie als dauerhafte Erinnerungen gespeichert.
Auch die Gehirnchemie spielt eine wichtige Rolle. Während des REM-Schlafs sinkt der Spiegel von Noradrenalin, einem Neurotransmitter, der für die Festigung von Erinnerungen unerlässlich ist, deutlich ab. Bei einem Mangel an Noradrenalin nimmt das Gehirn den Schlaf nicht als zu speichernde Information wahr.
Ein weiterer Faktor ist der Moment des Erwachens. Sobald man die Augen öffnet, verarbeitet das Gehirn sofort Signale aus der realen Welt – Licht, Geräusche, Bewegung. Diese neuen Reize verdrängen rasch die flüchtigen Spuren des Traums, es sei denn, man versucht bewusst, sich unmittelbar nach dem Aufwachen an das Gesehene zu erinnern.
Wissenschaftler betonen, dass das Vergessen von Träumen kein Mangel, sondern Teil ihrer Funktion ist. Träume dienen der emotionalen Verarbeitung von Erlebnissen und helfen dem Gehirn, die Psyche zu „resetten“ und Stress abzubauen. Das Speichern jedes Traums im Gedächtnis könnte das Bewusstsein hingegen überlasten.
Das rasche Verschwinden von Träumen ist daher ein normaler und sogar vorteilhafter Prozess. Das Gehirn nutzt Träume nicht zum Speichern von Informationen, sondern zur inneren Verarbeitung von Emotionen und Erlebnissen.

