Richter Serhij Sawyzkyj vom Bilhorod-Dnistrowskyj-Gericht, der in einem Fall um einen groß angelegten Plan zur illegalen Ausreise von Männern während des Kriegsrechts angeklagt ist, kann einer Verhaftung entgehen, wenn er eine Kaution in Höhe von 1,5 Millionen Hrywnja hinterlegt. Diese Entscheidung traf das Oberste Antikorruptionsgericht am 3. April.
Savytsky wurde in Gewahrsam genommen, doch Richter Markiyan Halabala bot eine Alternative an: die Freilassung gegen Kaution. Sollte diese gewährt werden, dürfte Savytsky die Region Odessa nicht verlassen, müsste einen Wohnsitzwechsel melden, seine ausländischen Pässe abgeben, jeglichen Kontakt zu den Beteiligten unterlassen und eine elektronische Fußfessel tragen.
Dies ist nicht der erste Versuch, eine Präventivmaßnahme gegen den Verdächtigen festzulegen. Zuvor hatte der Oberste Strafgerichtshof eine Kaution von über 2 Millionen Hrywnja festgesetzt, die Savytskyi jedoch nicht zahlte. Aus diesem Grund stellte die Staatsanwaltschaft einen neuen Antrag beim Gericht – diesmal auf Untersuchungshaft.
Den Ermittlungen zufolge entwickelte Richter Savytsky gemeinsam mit Gerichtsangestellten und Anwälten ein Komplott zur Umgehung der Mobilmachung. Anhand gefälschter Gerichtsbeschlüsse wurde behauptet, die Männer hätten ihre Kinder allein erzogen, wodurch sie die Ausreise aus der Ukraine ermöglichten. Alle „Entscheidungen“ seien ohne Beteiligung der Betroffenen – allein nach dem vorgegebenen Plan – getroffen worden.
Die Kosten für ein solches gefälschtes Dokument beliefen sich auf 3.500 US-Dollar. Insgesamt stellten Savitsky und seine Komplizen 1.040 solcher Entscheidungen aus. Sie nutzten die Räumlichkeiten einer Anwaltskanzlei, um ihre Aktivitäten zu verschleiern, und bewarben ihre Dienste sogar auf TikTok und Telegram.
Die Ermittlungen dauern noch an, aber die Bestrafung solcher Machenschaften bleibt weiterhin eine Frage des politischen und öffentlichen Willens – insbesondere wenn es um Vertreter der Justiz geht.

