Die Staatsanwaltschaft Kiew hat gegen den ehemaligen Leiter des öffentlichen Unternehmens Kiewer Metro Anzeige wegen des Verdachts der Amtspflichtverletzung erstattet. Diese soll zu der großflächigen Überflutung der Tunnel zwischen den Stationen Demiivska und Lybidska der Metrolinie Obolonsko-Teremkivska geführt haben. Die Ermittlungen ergaben, dass seine Pflichtverletzung verheerende Folgen für die Metro der Hauptstadt hatte und dem Stadthaushalt erhebliche Verluste verursachte.
Den Ermittlungsunterlagen zufolge versäumte der ehemalige Leiter die ordnungsgemäße Risikobewertung der U-Bahn-Anlagen und veranlasste keine regelmäßigen Inspektionen des technischen Zustands der Tunnelbauwerke. Dies führte zur Zerstörung einzelner Tunnelelemente, zur Entstehung von Rissen in den Wänden sowie zu Mängeln in der Abdichtung, was Überschwemmungen und die Bildung von Stalaktiten zur Folge hatte. Aufgrund dieser Situation musste am 8. Dezember 2023 der Zugverkehr auf der Strecke zwischen den Stationen „Lybidska“ und „Demiivska“ eingestellt werden.
Berechnungen ergaben, dass die dreimonatige Stillstandsphase der Obolonsko-Teremkivska-Linie dem Kiewer Haushalt Verluste von über 138,5 Millionen UAH verursachte und zudem zu einem Einnahmeausfall des Unternehmens von rund 26 Millionen UAH führte. Im Rahmen der Voruntersuchung wurden verschiedene Gutachten, darunter brandschutztechnische, bautechnische und wirtschaftliche, erstellt, die den mangelhaften technischen Zustand des Tunnels bestätigten.
Die Hintergründe des Skandals und des Rücktritts des Managers
Viktor Braginsky, der fast zehn Jahre lang die Kiewer Metro leitete, geriet nach Recherchen von Journalisten von Bihus.info in die Schlagzeilen. Es stellte sich heraus, dass seine Mutter, eine Rentnerin, teure Wohnungen besitzt und seine Ex-Frau eine Datscha in einem exklusiven Vorort baut – Angaben, die nicht den offiziellen Angaben entsprachen. Nach einem Appell des Kiewer Bürgermeisters Vitali Klitschko trat Braginsky am 15. März 2024 zurück.
Die Staatsanwaltschaft des Bezirks Podilskyj in Kiew hat den ehemaligen Leiter gemäß Artikel 367 Absatz 2 des ukrainischen Strafgesetzbuches angeklagt, der die Haftung für Amtspflichtverletzung mit schwerwiegenden Folgen regelt. Da er der Vorladung nicht nachkam, wurde die Anklageschrift an seine Dienstadresse zugestellt, und die Strafverfolgungsbehörden ergreifen Maßnahmen, um seinen Aufenthaltsort zu ermitteln.

