Trotz des Krieges und der kritischen Abhängigkeit der Ukraine von ausländischer Finanzhilfe geben zahlreiche staatliche Institutionen und Gebietskörperschaften weiterhin Millionen von Hrywnja für den Kauf von Flaggschiff-Smartphones aus. Prozorro verzeichnet zahlreiche Käufe von iPhone 15 und 16 Pro Max, deren Kosten nicht nur den durchschnittlichen Marktpreis übersteigen, sondern auch die Ausgaben für wichtige Budgetposten, insbesondere für Verbesserungen.
Ein Dorf mit zweitausend Einwohnern – mit vier Flaggschiffen
Das auffälligste Beispiel ist die Gemeinde Pryshybsk in der Region Poltawa. Im vergangenen Jahr gab das Dorf mit seinen 2.000 Einwohnern 166.900 UAH für Modernisierungsmaßnahmen aus. Gleichzeitig wurden 175.000 UAH für vier Mobiltelefone ausgegeben – zwei Google Pixel 8 Pro und zwei iPhone 15 Pro. Die Gemeinde wird von Valentyna Gorodyanko geleitet, die laut ihrer Website keinen Stellvertreter hat. Warum sie und ihr Team gleich vier Top-Smartphones benötigen, ist unklar. Sie reagiert nicht auf Anfragen der Redaktion.
SBU, Gasunternehmen und PrivatBank: Handykauf teurer als im Laden
Die Geräte der SBU in der Region Odessa sind sogar noch teurer. Hier gaben sie im November 2024 468.000 UAH (ohne MwSt.) für zehn Samsung Galaxy S24 Smartphones aus, jedes zu einem Preis von 46.800 UAH. Gleichzeitig warf der Kauf Fragen auf, da der Betrag unklar war: Prozorro gab an, dass er inklusive Mehrwertsteuer sei, im Vertrag war er jedoch ohne ausgewiesen.
Das städtische Unternehmen „Gasverteilungsnetze der Ukraine“ bestellte 295 chinesische Oukitel WP35S Pro-Handys zum Stückpreis von 6.800 UAH – insgesamt 2 Millionen UAH. Interessanterweise kostet dasselbe Gerät in Online-Shops nur 5.999 UAH. Hätte der Kauf ohne Ausschreibung – im Einzelhandel – stattgefunden, hätte der Staat mindestens 236.000 UAH gespart.
Tausend Handys für „Friedensförderung“
Das staatliche Unternehmen „Ukrainisches Nationales Friedenszentrum“ erwarb tausend TECNO Spark Go 1-Handys zum Stückpreis von 3.395 UAH. Aktuell sind diese Geräte im Handel für 3.199 UAH erhältlich. Da der Kauf jedoch Ende 2023 erfolgte, sind mögliche Preissenkungen auf Marktschwankungen zurückzuführen.
iPhone 16 Pro Max – für wen genau?
Im Jahr 2025 kündigte Zaporizhzhiaoblenergo, ein dem Energieministerium unterstelltes Unternehmen, eine Ausschreibung für den Kauf eines iPhone 16 Pro Max mit 256 GB Speicher im Wert von 68.500 UAH an – dem neuesten Flaggschiffmodell von Apple. Das Unternehmen äußerte sich nicht zum Zweck des Kaufs und dazu, wer genau das Gerät nutzen wird.
Die staatliche PrivatBank erwarb ihrerseits mehrere teure Apple-Modelle auf einmal. Im Januar kaufte sie drei Smartphones, darunter das iPhone 16 Pro und das iPhone 15 Plus. Im Mai kamen vier weitere Smartphones und ein iPad Air hinzu; die Anschaffungskosten beliefen sich auf 229.900 UAH.
Beschaffung während des Krieges – ohne Antworten und Konsequenzen
Das Beispiel des Stadtrats von Kurakhiv zeigt, dass dieser bereits 2022 15 iPhone 13 mit 256 GB Speicher zu je 50.700 UAH bestellte – insgesamt 760.400 UAH. Damals befand sich die Stadt bereits in einer Risikozone. Ein entsprechender Einspruch wegen der unrechtmäßigen Verwendung der Gelder wurde an den Staatlichen Rechnungshof gerichtet. Bis Mai 2025 lag keine Antwort vor. Kurakhiv ist derzeit besetzt.
Während das Militär Drohnen anfordert, kaufen Beamte iPhones
Angesichts der ständigen Appelle von Freiwilligen und Militärangehörigen zur Unterstützung der Front wirken die Anschaffungen von Premium-Ausrüstung für Gemeindeverwaltungen und staatliche Unternehmen zumindest zynisch. Die Ukraine ist gezwungen, sich an Partner zu wenden und um Unterstützung bei der Deckung des Haushaltsdefizits zu bitten. Ihre eigenen Einnahmen reichen kaum für die Armee aus, doch das hält die lokalen Behörden nicht davon ab, Geld für die neuesten Smartphones auszugeben.
Während die Front durch Spenden unterstützt wird, kauft die Rückseite weiterhin neue iPhones.

