In seinem neuen Artikel fasst der Wirtschaftswissenschaftler Bohdan Danylyshyn die jüngsten Entwicklungen in der ukrainischen Wirtschaft zusammen. Mitte 2024 zeigen die Wirtschaftsindikatoren zwar einige Verbesserungen, doch bestehen weiterhin zahlreiche Herausforderungen, darunter hohe Sicherheitsrisiken und Probleme mit der Energieinfrastruktur.
Konjunkturaktivität und Inflationserwartungen
Laut der Nationalbank der Ukraine ist der Geschäftserwartungsindex (BEI) im ersten Quartal 2024 auf 99,5 % gesunken (Vorjahr: 103 %). Dies deutet auf einen Rückgang des Optimismus der Unternehmer hinsichtlich der zukünftigen Geschäftsentwicklung hin. Gleichzeitig verbessern sich die Inflationserwartungen und die Prognosen zur Investitionsförderung. Viele Unternehmer rechnen mit steigenden Produktverkäufen und Investitionskosten für Ausrüstung, wenn auch in einem weniger dynamischen Tempo.
Der Juni 2024 brachte neue Herausforderungen in Form flächendeckender Stromausfälle mit sich, die die Wirtschaftstätigkeit negativ beeinflussten. Das Wirtschaftsministerium merkt an, dass dies sowohl Unternehmen als auch Verbraucher einschränkte und die gesamtwirtschaftliche Entwicklung bremste. Trotzdem blieb das BIP-Wachstum mit 1,1 % nahezu auf dem Niveau des Vormonats.
Arbeitsmarktbedingungen und Löhne
Laut Wirtschaftsministerium stieg das durchschnittliche Nominalgehalt für offene Stellen im Juni 2024 um 21,8 % auf 19.244 UAH. Gleichzeitig erhöhte sich das Durchschnittsgehalt für Wiederbewerbungen um 16,8 % auf 20.147 UAH. Dies deutet auf positive Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt hin, obwohl die hohen Sicherheitsrisiken und der Mangel an qualifiziertem Personal weiterhin Schwierigkeiten bereiten.
Finanzsektor und Haushalt
Der Finanzsektor passt sich weiterhin den neuen Gegebenheiten an. Der Diskontsatz der Nationalbank der Ukraine (NBU) wurde zum 14. Juni auf 13 % gesenkt, doch die reale Differenz zur Inflation bleibt erheblich. Trotz der Senkung der Einlagen- und Kreditzinsen sind die Kreditkosten für Unternehmen gestiegen, was auf höhere Finanzierungskosten für Unternehmen hindeutet.
Das Haushaltsdefizit beträgt 16,7 Milliarden US-Dollar, was 50 % der Gesamteinnahmen entspricht. Vom Jahresbeginn bis zum 9. Juli wurden 273,3 Milliarden UAH zur Deckung des Defizits eingeworben, und die gesamte internationale Finanzhilfe für den Staatshaushalt belief sich bis zum 3. Juli 2024 auf rund 91,1 Milliarden US-Dollar.
Energiesektor und Inflation
Die jährliche Inflation stieg im Juni auf 4,8 %, nach 3,3 % im Mai. Hauptgrund für die Inflation waren höhere Strompreise infolge des Zusammenbruchs der Energieinfrastruktur. Dies führte zu höheren Ausgaben von Unternehmen und Verbrauchern, was sich im allgemeinen Preisniveau widerspiegelte.
Wechselkurs- und Währungserwartungen
Seit Jahresbeginn hat die Hrywnja gegenüber dem US-Dollar um 7,6 % abgewertet. Die ukrainische Nationalbank (NBU) kontrolliert zwar weiterhin den Wechselkurs, doch das Defizit der Währungsreserven stieg bis zum 5. Juli auf 14,8 Milliarden US-Dollar. Dies deutet auf Schwierigkeiten bei der Steuerung des Devisenmarktes und Auswirkungen auf die Währungserwartungen der Ukrainer hin.

