Der Analyst Oleksiy Kushch erklärte, wozu die „Ökonomie der Ressourcenausbeutung“ führen kann

Die Ukraine steht vor einer entscheidenden Wahl: Verharren in einer ressourcenorientierten Wirtschaft oder der Wandel zu einer komplexen, hochentwickelten Gesellschaft? Die erste Option bedeutet den Niedergang von Industrie und Infrastruktur sowie die Abwanderung von Arbeitskräften, die zweite hingegen BIP-Wachstum, Investitionen in Bildung, Wissenschaft und Medizin sowie eine neue industrielle Renaissance. Doch wird der politische Wille für den Übergang zu einem Entwicklungsmodell ausreichen, oder wird man sich erneut für den einfachen, aber zerstörerischen Weg entscheiden? Analyst Oleksiy Kushch erläuterte diese Frage.

Die Diskussion über das Modell der Nutzung ukrainischer Ressourcen ist gleichzeitig eine Diskussion über das Modell der wirtschaftlichen Entwicklung im Allgemeinen. Entweder über die „Ressourcenausbeutungsökonomie“ oder über das Modell des wirtschaftlichen Wandels hin zu einer neuen, komplexeren und entwickelteren Struktur.

Einfach ausgedrückt: vom kargen Rohstoffertrag leben (niemand wird mehr zahlen) oder auf Kosten des Mehrwerts.

Im ersten Fall weitere Abwanderung der Bevölkerung in andere, stärker entwickelte Länder. Verfall der Industriestädte im Osten und Zentrum. Deindustrialisierung und soziale Entfremdung. Verfall der Infrastruktur, des Bildungs-, Medizin- und Wissenschaftssystems. Niedriges Pro-Kopf-Einkommen, geringes BIP und Defizite bei den Verteidigungsinvestitionen. Umweltprobleme.

Im zweiten Stadium: Wachstum der Arbeitsproduktivität, Investitionen in Wissenschaft, Bildung, Medizin und Infrastruktur. Schaffung von Arbeitsplätzen. Neue Industrialisierung und Urbanisierung erleben eine Renaissance. Wachstum des BIP und des Einkommensniveaus der Bevölkerung, erhebliche Ausgaben für Verteidigung, Energie und Umweltschutz. Nachfrage nach hochqualifizierten Arbeitskräften, Rückkehr der Bevölkerung in ihre Heimatländer.

Trotz der offensichtlichen Vorteile der zweiten Option wird die Wahl höchstwahrscheinlich zugunsten der ersten Option fallen.

Ich schätze die Chancen auf 70/30. Und wissen Sie warum?

Dafür gibt es zwei Gründe.

Das erste Merkmal ist Einfachheit. Unsere Eliten beschreiten stets einen scheinbar einfachen Weg. Ob dies dann zu komplexen Problemen führt, ist eine andere Frage.

Der zweite Grund ist die Rentenjagd.

Rentorientierte politische Eliten wählen stets ein auf Renten ausgerichtetes, rohstoffbasiertes und korruptes Wirtschaftsmodell, das es ihnen ermöglicht, daraus „passives Einkommen“ abzuschöpfen, wie aus einer Bankeinlage.

Eine komplexe Wirtschaft erfordert die Existenz von „Entwicklungseliten“, die den Aufbau des Landes vorantreiben und einen Teil der durch das System erwirtschafteten Gewinne erhalten, nicht einen Teil der Rente.

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