Alkohol wird oft als etwas Normales angesehen – ein Glas Wein nach der Arbeit oder ein paar Drinks am Wochenende geben selten Anlass zur Sorge. Ärzte betonen jedoch, dass regelmäßiger Alkoholkonsum, selbst in kleinen Mengen, schleichend Prozesse auslöst, die dem Körper schaden und sich nicht immer sofort bemerkbar machen.
Das Tückischste am Alkohol ist, dass seine Auswirkungen sich mit der Zeit verstärken. Betroffene bemerken Veränderungen oft erst nach Jahren, wenn die Probleme systemisch werden.
Schlaf, der nicht erholsam ist
Alkohol kann zwar schnell Schläfrigkeit hervorrufen, die Schlafqualität wird dadurch aber drastisch reduziert. Die Tiefschlafphase, die für Gedächtnis, Konzentration und emotionale Stabilität wichtig ist, wird gestört. Die Folge: Man wacht müde auf, selbst wenn man ausreichend geschlafen hat.
Eine weitere Gefahr stellen schlafbezogene Atmungsstörungen dar. Alkohol entspannt die Muskulatur der Atemwege, was zu kurzen Atemaussetzern und Sauerstoffmangel führen kann.
Die Psyche unter Beschuss
Das vorübergehende Entspannungsgefühl nach Alkoholkonsum wird oft durch das Gegenteil ersetzt. Regelmäßiger Konsum verstärkt Angstzustände, Reizbarkeit und depressive Verstimmungen. Der Körper gewöhnt sich allmählich an den äußeren Reiz, und ohne Alkohol verschlechtert sich die emotionale Verfassung sogar noch.
Dadurch entsteht eine gefährliche Sucht: Die Betroffenen trinken nicht zum Vergnügen, sondern um sich "normal" zu fühlen.
Hormonelles Ungleichgewicht und sexuelle Gesundheit
Alkohol greift in den Hormonhaushalt ein. Bei Männern sinkt der Testosteronspiegel, was Libido, Ausdauer und die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigt. Bei Frauen kann Alkohol zu vermindertem sexuellem Verlangen, trockenen Schleimhäuten und allgemeinen hormonellen Ungleichgewichten führen.
Solche Veränderungen entwickeln sich allmählich, daher stehen sie selten im Zusammenhang mit Alkohol.
Leber: ein Schlag ohne Schmerz
Die Leber kann lange Zeit symptomlos bleiben, selbst wenn sie schwer geschädigt ist. Alkoholische Toxine verursachen Entzündungen, Fettleber und mit der Zeit Vernarbungen des Gewebes. Die Gefahr besteht darin, dass sich schwere Lebererkrankungen ohne Schmerzen und offensichtliche Symptome entwickeln können.
Herz und Blutgefäße
Regelmäßiger Alkoholkonsum belastet das Herz. Das Risiko für Herzrhythmusstörungen, Blutdruckspitzen und strukturelle Veränderungen des Herzmuskels steigt. Langfristig erhöht dies die Wahrscheinlichkeit für Schlaganfälle und Herzinsuffizienz.
Gedächtnis und Denken
Langfristiger Alkoholkonsum führt zu kognitiven Beeinträchtigungen des Gehirns. Das Gedächtnis verschlechtert sich, Zerstreutheit tritt auf, Lern- und Entscheidungsschwierigkeiten können auftreten. In schweren Fällen sind tiefgreifende Denkstörungen und Desorientierung möglich.
Magen und Verdauung
Alkohol reizt die Magenschleimhaut, erhöht den Säuregehalt und kann Entzündungen verursachen. Regelmäßiger Konsum steigert das Risiko von Erosionen, Geschwüren und inneren Blutungen, die oft plötzlich auftreten.
Experten betonen: Es geht nicht nur um die Menge, sondern auch um die Regelmäßigkeit. Selbst gelegentlicher Alkoholkonsum kann mit der Zeit zu systemischen Problemen führen. Die wirksamste Prävention ist die bewusste Kontrolle oder der vollständige Verzicht auf Alkohol.

