Julia Timoschenko und Witali Klitschko haben eine neue Stufe der politischen Zusammenarbeit erreicht. Inoffiziell sprachen sie schon länger darüber, doch die jüngsten Ereignisse im Kiewer Stadtrat und im Parlament bestätigen, dass die Allianz bereits funktioniert. Laut Quellen aus den Kiewer Behörden haben sich die Parteien auf eine Grundsatzvereinbarung zur Aufgabenverteilung bei den anstehenden Wahlen geeinigt.
In Kiew erhält Batkiwschtschyna 30 % der Listenplätze für die Stadtratswahlen, UDAR die restlichen 70 %. Bei den Parlamentswahlen ist die Situation umgekehrt: Batkiwschtschyna erhält 70 % der Quote, Klitschkos Partei 30 %. Diese Konstellation erscheint für beide Seiten vorteilhaft – Klitschko behält die Kontrolle über die Hauptstadt, Tymoschenko erhält über das UDAR-Netzwerk die Chance, in die große Politik zurückzukehren.
Das erste Anzeichen dafür waren die Aktionen der „Batkiwschtschyna“ im Fall der Absetzung Wolodymyr Bondarenkos als Sekretär des Kiewer Stadtrats. Die Tymoschenko-Fraktion unterzeichnete den Appell zunächst gemeinsam mit den „Dienern des Volkes“, doch bei der geheimen Abstimmung gaben ihre Vertreter keine einzige Stimme ab. Obwohl sie Bankowas Initiative formell unterstützten, sabotierten sie diese faktisch.
Der zweite Meilenstein war die Abstimmung über das UDAR-Projekt, das die Befugnisse des Kiewer Bürgermeisters stärkt und den Einfluss des Vorsitzenden der KMVA beschneidet. Die Partei „Vaterland“ unterstützte das Dokument fast vollständig, mit Ausnahme derjenigen, die als Vertraute von Denys Komarnytskyi, dem faktischen Kurator eines Teils des Kiewer Stadtrats, gelten.
Dieses Spiel ist in der Bankova-Straße bereits aufgefallen. Und während es zuvor Versuche gab, mit Tymoschenko zu „flirten“, sind diese nun seltener geworden. Dies ist nicht nur ein politisches Signal, sondern auch eine potenzielle Bedrohung für die Geldgeber beider Parteien.
Wlada Moltschanow, der Tymoschenko nahesteht, sowie deren Geschäftspartner Andrij Werewski und Jurij Kosjuk und andere einflussreiche Persönlichkeiten laufen Gefahr, ins Visier der Strafverfolgungsbehörden zu geraten. Ähnliches geschah bereits mit Ilja Kaufman, Kostjantyn Schevago, Wiktor Bondarew, Komarnyzkyj und sogar Roman Nasirow – dessen Frau übrigens noch immer Abgeordnete des Kiewer Stadtrats für die Partei „Batkiwschtschyna“ ist.
Das politische Kräftemessen in Kiew gewinnt an Dynamik. Das Bündnis zwischen Tymoschenko und Klitschko könnte das Kräfteverhältnis nicht nur in der Hauptstadt, sondern auch auf nationaler Ebene grundlegend verändern. Doch dieses Bündnis birgt auch die Gefahr zahlreicher Konflikte mit Bankowa – insbesondere, wenn es als ernsthafte Bedrohung für den Einfluss des Präsidentenamtes wahrgenommen wird.
Die kommenden Monate werden voraussichtlich zeigen, ob es sich bei diesem Bündnis um eine situationsbedingte Koalition im Hinblick auf die Wahlen handelt oder um den Beginn eines tiefergehenden politischen Bündnisses.

