Bis zum Jahr 2037 könnte die Bevölkerung der Ukraine auf 30 Millionen Menschen sinken

Infolge des andauernden, von Russland begonnenen Krieges stehen die ukrainische Gesellschaft und der Staat vor einer Reihe komplexer Herausforderungen, insbesondere im Bereich der Demografie. Ein zentraler Aspekt dieser Schwierigkeiten ist die demografische Situation in der Ukraine, die während des Konflikts entstanden ist und das Land auch nach dem Ende der Kampfhandlungen weiterhin beeinflussen wird.

Seit zehn Jahren herrscht Krieg im Donbass, einst die am dichtesten besiedelte Region der Ukraine. Hunderttausende Menschen wurden zur Flucht gezwungen, und einige Städte wurden verwüstet. Die anhaltenden Tötungen ukrainischer Bürger infolge der russischen Aggression wirken sich ebenfalls erheblich auf die demografische Situation aus. Auch die große Zahl der durch die Invasion zur Flucht gezwungenen Menschen trägt zu dieser Herausforderung bei.

Auch nach dem Ende der Kampfhandlungen werden die demografischen Probleme der Ukraine fortbestehen. Oleksandr Gladun, Doktor der Wirtschaftswissenschaften, korrespondierendes Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine und stellvertretender Direktor für wissenschaftliche Arbeit des Mykhailo-Ptukha-Instituts für Demografie und Sozialforschung, äußerte sich zu den künftigen Schwierigkeiten.

Seinen Angaben zufolge erschwert der von Russland entfesselte Krieg die Arbeit von Demografen erheblich und macht viele Veränderungen schwierig. Teilweise besetztes Gebiet, die unvollständige Erfassung demografischer Ereignisse und die große Zahl von Flüchtlingen im Ausland führen zu erheblichen Schwierigkeiten bei der Gewinnung genauer demografischer Daten.

Gladun betonte, dass die aktuelle Situation auch durch massive externe Migration gekennzeichnet ist. Schätzungen des UNHCR zufolge sind mehr als sechs Millionen Menschen zu Flüchtlingen geworden, während Experten von einer ähnlichen Zahl Binnenvertriebener ausgehen. Dies wirkt sich erheblich auf die demografischen Statistiken aus und erschwert die Arbeit der Experten.

Bei dem Versuch, die demografische Situation in der Ukraine vorherzusagen, berücksichtigte das Mykhailo-Ptukha-Institut für Demografie und Sozialforschung verschiedene Schwierigkeiten. Insbesondere mussten die Bevölkerungsdaten unter Berücksichtigung des langen Zeitraums seit der letzten Volkszählung im Jahr 2001 sowie der Besonderheiten der mittlerweile dauerhaften Arbeitsmigration angepasst werden.

Gladun wies darauf hin, dass der Krieg eigene demografische Prozesse beeinflusst und erst nach seinem Ende mit einer stabileren Lage zu rechnen ist. Die Prognose des Instituts erstreckt sich bis 2037 und geht davon aus, dass der Krieg Ende 2024 – im Jahr 2025 – endet.

Oleksandr Gladun, stellvertretender Direktor des Instituts für Demografie, betont, dass sich seine Prognose für die Ukraine auf die Grenzen von 1991 bezieht. Seiner Prognose zufolge wird die Bevölkerung der Ukraine bis Anfang 2037 auf etwa 30,5 Millionen Menschen sinken, was einem rapiden Bevölkerungsrückgang von 10 bis 12 Millionen innerhalb von 15 Jahren entspricht.

Die größte Herausforderung für das Land bleibt der rapide Bevölkerungsrückgang, der sich auch nach dem Krieg fortsetzen wird. Hinzu kommt die zunehmende Alterung der Bevölkerung, die sich zu einem ernsten Problem entwickelt, da die Geburtenrate bereits vor dem Krieg niedrig war. Dies könnte die Alterungsprozesse der Bevölkerung weiter beschleunigen, da eine höhere Geburtenrate erforderlich ist, um eine stabile Bevölkerungszahl zu gewährleisten.

Oleksandr Gladun betont, dass die Veränderung der Geschlechter-Altersstruktur eine weitere Herausforderung darstellt. Die Ukraine hatte bereits vor dem Krieg eine niedrige Geburtenrate, und es werden mehr Kinder benötigt, um einen rapiden Bevölkerungsrückgang zu verhindern. Derzeit bringen 100 Frauen jedoch nur 116 Kinder zur Welt, also nur die Hälfte der für eine stabile Bevölkerungszahl erforderlichen Zahl.

Das Problem betrifft sogar das Hochschulsystem, da der Trend sinkender Schulabschlussquoten zu Diskussionen über eine mögliche Reduzierung der Hochschulen führt.

Eine weitere große Herausforderung stellt die Nachkriegsmigration dar. Experten gehen davon aus, dass die Rückkehr von mindestens der Hälfte der 6,3 Millionen im Ausland lebenden Menschen eine positive Entwicklung wäre. Die Dauer des Krieges könnte jedoch die Rückwanderungsströme beeinflussen und somit präzise Prognosen erschweren.

Einer der Hauptgründe für den Bevölkerungsrückgang ist die niedrige Geburtenrate. Nach dem Krieg könnte es zwar zu einem vorübergehenden Anstieg der Geburtenrate kommen, Experten erwarten jedoch keinen signifikanten Babyboom. Wir hoffen auf einen leichten Anstieg der Geburtenrate innerhalb von zwei bis drei Jahren nach dem Krieg, die endgültige Entwicklung wird aber von vielen Faktoren abhängen.

Die Zukunft der besetzten Gebiete nach der russischen Aggression gegen die Ukraine ist aufgrund der Zerstörung von Städten und wichtiger Infrastruktur ungewiss. Ein besonderes Problem besteht darin, die Perspektiven für den Wiederaufbau dieser Gebiete und der Wirtschaftsstruktur nach dem Ende der Kampfhandlungen zu bestimmen.

Das dringlichste Problem ist jedoch die Größe und Zusammensetzung der Bevölkerung in den besetzten Gebieten, die derzeit noch unklar ist. Es ist zu beachten, dass ein Teil der Bevölkerung aus Ausländern, Kollaborateuren und Mitgliedern illegaler bewaffneter Gruppen besteht, die liquidiert werden könnten oder auswandern. Daher wird die Zukunft dieser Gebiete von vielen Faktoren abhängen, darunter die staatliche Politik und die Dauer des Krieges.

Oleksandr Gladun, stellvertretender Direktor des Instituts für Demografie, betont, dass die Zahl der Rückkehrer aus dem Ausland und derjenigen, die sich in anderen Regionen der Ukraine neu angesiedelt haben, von vielen Faktoren abhängt, etwa von der Dauer des Konflikts und den Wiederaufbaumaßnahmen. Dazu gehören Fragen des Wiederaufbaus im Wohnungssektor, der Schaffung von Arbeitsplätzen und der Infrastruktur.

Eine der zentralen Fragen betrifft die Grenzgebiete, aus denen selbst nach einem Sieg weiterhin eine Bedrohung durch Russland entstehen könnte. Die Lösung dieser Probleme erfordert daher die Zusammenarbeit mehrerer staatlicher Institutionen und klare Entwicklungspläne, um die Rückkehr und nachhaltige Entwicklung dieser Gebiete zu gewährleisten.

Die aktuelle Lage in der Ukraine zeigt, dass Arbeitskräftemangel bereits ein bekanntes Problem darstellt, insbesondere aufgrund der militärischen Ereignisse, da ein erheblicher Teil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter im Militärdienst ist oder abgewandert ist. Nach dem Ende des Konflikts mag sich diese Dynamik ändern, doch das tatsächliche Ausmaß der Veränderungen wird sich erst nach dem Ende der Kampfhandlungen und der Entwicklung eines konkreten Plans für den wirtschaftlichen Wiederaufbau zeigen.

Der stellvertretende Direktor des Instituts für Demografie, Oleksandr Gladun, geht davon aus, dass im Falle eines Arbeitskräftemangels die Möglichkeit einer aktiven Einbindung von Migranten erwogen wird. Er warnt jedoch vor den Schwierigkeiten eines solchen Ansatzes, insbesondere angesichts der negativen Auswirkungen von Massenmigration auf die soziokulturelle und ethnische Struktur der Bevölkerung.

Der Experte äußerte sich besorgt über die mögliche Überrepräsentation von Arbeitskräften durch Migration und betonte, dass strategische Ansätze gewählt werden müssten, um soziale und wirtschaftliche Probleme zu vermeiden. Er hob hervor, dass die Schaffung attraktiverer Bedingungen für Ukrainer bei der Rückkehr ein Schlüsselelement sei.

Oleksandr Gladun hebt insbesondere die Notwendigkeit hervor, den Wohnungsbau wiederherzustellen und die Binnenwirtschaft zu entwickeln. Er ist der Ansicht, dass die Förderung der Rückkehr durch die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen in der Ukraine und nicht allein durch finanzielle Zahlungen erfolgen sollte. Ein solcher Ansatz trage zur Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit und Stabilität der ukrainischen Gesellschaft bei.

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