Der umfassende Krieg hat die demografische Situation in der Ukraine radikal verändert. Laut Frontliner ist die Bevölkerung in zweieinhalb Jahren um mindestens 10 Millionen Menschen zurückgegangen. Dies ist auf Massenmigration, hohe Sterblichkeit, einen starken Geburtenrückgang und eine alternde Gesellschaft zurückzuführen.
Anfang 2022 lebten über 40 Millionen Menschen in der Ukraine (ohne die Krim). Mitte 2024 waren es noch etwa 35,8 Millionen, davon 31,1 Millionen in von der Regierung kontrollierten Gebieten.
Massenmigration
Der Hauptgrund für den Rückgang war die Auswanderung. Rund fünf Millionen Ukrainer befinden sich derzeit im Ausland, hauptsächlich in EU-Ländern. Die meisten von ihnen leben in Polen, Deutschland, Tschechien, Italien und Spanien. Je länger der Krieg andauert, desto geringer sind ihre Chancen auf eine Rückkehr, insbesondere für Männer im wehrfähigen Alter.
Die östlichen und südlichen Regionen der Ukraine sind stark entvölkert. Millionen Menschen haben die Regionen Donezk, Luhansk, Cherson, Saporischschja und Charkiw verlassen. Der Westen und die Mitte des Landes haben viele Binnenvertriebene aufgenommen, doch es gibt auch eine Abwanderungswelle ins Ausland.
Verluste und Mortalität
Es gibt keine offiziellen Statistiken über die Zahl der Todesopfer, aber Schätzungen gehen von Zehntausenden militärischen und Tausenden zivilen Opfern aus. Hinzu kommt, dass die allgemeine Sterblichkeitsrate aufgrund der Schwächung des Gesundheitssystems, Stress und der Verschlimmerung chronischer Krankheiten gestiegen ist.
Geburtenrate auf historischem Tiefstand
Im Jahr 2023 wurden in der Ukraine rund 180.000 Kinder geboren – die niedrigste Geburtenrate in der modernen Geschichte. Hauptgründe hierfür sind die Kriegsgefahr, wirtschaftliche Probleme und die Unsicherheit hinsichtlich der Zukunft.
Derzeit sind nur 15 % der Bevölkerung Kinder, während 27 % über 60 Jahre alt sind. Die Ukraine altert rasant, und die neuen Generationen werden immer weniger.
Wird eine demografische Strategie diesen Trend stoppen?
Ende 2024 verabschiedete die Regierung die Strategie zur demografischen Entwicklung bis 2040 und den Aktionsplan für 2024–2027. Bislang sind jedoch keine nennenswerten Ergebnisse erkennbar. Prognosen zufolge könnte die Bevölkerung des Landes bis 2041 auf 29 Millionen sinken.
Allerdings ist auch das gegenteilige Szenario möglich – eine allmähliche Erholung, aber nur, wenn der Krieg endet, sich die Wirtschaft erholt und groß angelegte Wiederaufbauprogramme umgesetzt werden.

