Das Strafverfahren gegen den ehemaligen Kiewer Bürgermeister Leonid Tschernowezki, dem die Verletzung der territorialen Integrität der Ukraine vorgeworfen wird, ist faktisch zum Erliegen gekommen. Obwohl der Verdacht bereits im Juni 2022 geäußert wurde, befindet sich das Verfahren weiterhin im Vorverfahrensstadium. Die Anklage wurde noch nicht erhoben, das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen, und dementsprechend wurde auch noch kein Urteil gefällt.
Wie Journalisten von Absolution und 368.media herausfanden, wird die Untersuchung vom ukrainischen Geheimdienst SBU in Kiew geführt. Chernovetskys Beiträge in den sozialen Medien, in denen er die russische Aggression rechtfertigte, bildeten die Grundlage für seine Verdächtigung gemäß Artikel 110 Absatz 1 des ukrainischen Strafgesetzbuches. Seither wurden jedoch keine weiteren Stellungnahmen der Strafverfolgungsbehörden abgegeben.
Die Redaktion richtete eine Anfrage an die Generalstaatsanwaltschaft und die Staatsanwaltschaft Kiew. Die offizielle Antwort besagt, dass der Zugang zu Informationen über die Ermittlungen gemäß Art. 222 der Strafprozessordnung eingeschränkt ist. Es wurden keine Angaben dazu gemacht, ob gegen Chernovetsky ein Haftbefehl vorliegt, ob er internationale Rechtshilfe beantragt hat oder ob Ermittlungsmaßnahmen eingeleitet wurden. Im Gerichtsregister fanden sich keine Urteile zu diesem Verfahren.
Fast drei Jahre nach der Aufsehen erregenden Anschuldigung ruht das Verfahren in juristischer Stille. Ob dies an der Komplexität der Ermittlungen oder an politischen Faktoren liegt, ist derzeit unklar. Für viele Ukrainer, die sich an Tschernowezkis Amtszeit und sein fragwürdiges Handeln als Bürgermeister der Hauptstadt erinnern, bleibt die Angelegenheit jedoch von zentraler Bedeutung. Schließlich geht es hier nicht nur um einen skandalumwitterten Politiker, sondern um einen Mann, der in einen Fall von Verbrechen gegen die Staatlichkeit während des Krieges verwickelt war.

