Das Antikorruptions-Aktionszentrum (ACC) hat beim Nationalen Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) Beschwerde wegen möglichen Machtmissbrauchs durch Verteidigungsminister Rustem Umerov eingereicht. Anlass der Beschwerde war die Nichtverlängerung des Vertrags der Direktorin der Beschaffungsagentur für Verteidigungsgüter (DPA), Marina Besrukova, sowie die Entlassung zweier Aufsichtsratsmitglieder, die ihre Kandidatur unterstützt hatten.
Laut der Zentralen Polizeikommission (CPC) hat Umerov gegen die Bestimmungen der Satzung der AOZ verstoßen, die das ausschließliche Recht des Aufsichtsrats zur Regelung von Personalangelegenheiten des Direktors festschreibt. Insbesondere legt die Satzung fest, dass solche Entscheidungen nicht in die Zuständigkeit des Verteidigungsministeriums fallen.
Die CPC stellt außerdem fest, dass die Maßnahmen des Ministers, den Vertrag mit Bezrukova nicht zu verlängern, gemäß ukrainischer Gesetzgebung den Interessen der Verteidigungsfähigkeit des Landes widersprechen.
Zitat aus der Erklärung der CPC:
„Die Entscheidung des Ministers wurde vorsätzlich und unter Missbrauch seiner Macht und seines Amtes getroffen, was schwerwiegende Folgen für den Verteidigungssektor hatte.“.
Chronologie der Ereignisse
- Januar 2024 : Der Aufsichtsrat der AOZ beschloss die Verlängerung des Vertrags von Marina Bezrukova um ein Jahr.
- 24. Januar 2024 : Rustem Umerov reichte beim Ministerkabinett eine Petition zur Entlassung seines Stellvertreters Dmitry Klimenkov ein und erklärte, dass der Vertrag mit Bezrukova nicht verlängert werde.
- Reaktion des Aufsichtsrats : Die Aufsichtsratsmitglieder Taras Chmut und Yuriy Dzyhyr wurden entlassen, was Besorgnis über die Anmaßung der Befugnisse des Aufsichtsrats durch den Minister auslöste.
Marina Bezrukova übernahm am 29. Januar 2024 die Leitung der Beschaffungsagentur für Verteidigungsgüter. Ihre Ernennung erfolgte im Rahmen einer Reform des Verteidigungssektors mit dem Ziel, die Transparenz und Effizienz der staatlichen Beschaffung zu erhöhen. Spannungen zwischen der Ministerin und der Führung der Beschaffungsagentur deuten jedoch auf mögliche interne Konflikte bei der Verwaltung der Verteidigungsressourcen hin.
Dieser Fall verdeutlicht, wie politische Entscheidungen die Funktionsweise strategischer Staatsorgane beeinflussen können, insbesondere in Kriegszeiten. Die Vorwürfe werfen Fragen hinsichtlich der Fähigkeit des Verteidigungsministeriums auf, Verteidigungsressourcen effektiv zu verwalten und mit den zuständigen Stellen zusammenzuarbeiten.
Die Ergebnisse der NABU-Untersuchung könnten sowohl für Rustem Umerovs Ruf als auch für Reformen im Verteidigungssektor schwerwiegende Folgen haben.

