Der ehemalige Chef des staatlichen Unternehmens Energoatom, Petro Kotin, erhielt am Tag seiner Entlassung, dem 21. August 2025, Zahlungen in Millionenhöhe von dem Staatsunternehmen. Darin enthalten sind 4,6 Millionen UAH als Abfindung sowie etwa 200.000 UAH an sogenannten Rehabilitationsgeldern.
Die Zahlungen erfolgten drei Monate vor der Veröffentlichung von viel beachteten Materialien durch NABU, die das öffentliche Interesse an den Aktivitäten des Energiesektormanagements weckten.
Laut Finanzdaten wurden bei Petro Kotin im Zeitraum 2023–2025 rund 25 Millionen UAH an Gehältern angehäuft und ausgezahlt. Gleichzeitig fehlte jedoch ein offizieller Vertrag, der die Vergütungsbedingungen für den Leiter des staatlichen Unternehmens hätte regeln sollen.
Darüber hinaus erhielt der ehemalige Chef von Energoatom in den Jahren 2022–2024 weitere 1,1 Millionen UAH an zusätzlichen Zahlungen, ohne dass ein genehmigter Finanzplan für das Unternehmen vorlag. Es handelt sich dabei vermutlich um Bonuszahlungen, deren Rechtsgrundlage jedoch umstritten ist.
Im Dezember 2023 geriet Petro Kotin ins Zentrum journalistischer Recherchen. Es stellte sich heraus, dass seine 70-jährige Schwiegermutter während des Krieges ein Haus mit Grundstück in der Nähe von Kiew erworben hatte, obwohl ihr offizielles Einkommen für einen solchen Kauf nicht ausreichte. Der Wert der Immobilie wurde auf etwa 7 Millionen UAH geschätzt, der Marktpreis für vergleichbare Objekte dürfte laut Journalisten jedoch deutlich höher gelegen haben.
Laut dem Abgeordneten Yaroslav Zheleznyak verbrachte Kotin nach dem plötzlichen Rücktritt des Chefs des staatlichen Energieunternehmens einige Zeit im Ausland, kehrte aber später in die Ukraine zurück.
Der ehemalige Topmanager ließ sich am 19. Januar als Einzelunternehmer eintragen. Als Haupttätigkeit ist die Beratung in den Bereichen Handel und Management angegeben.
Die Geschichte von Millionenzahlungen vor dem Hintergrund fehlender klar definierter Vertragsbedingungen hat die Frage der Kontrolle über die Vergütung von Managern staatseigener Unternehmen im strategischen Sektor erneut aufgeworfen.

