Das Gericht stoppte den Versuch, das Vermögen der Familie Tschernyschow vor dem Hintergrund eines Strafverfahrens aufzuteilen

Das Bezirksgericht Petschersk in Kiew hat die Klage von Switlana Tschernyschowa auf Aufteilung des gemeinsamen Vermögens mit ihrem Ehemann, dem ehemaligen stellvertretenden Ministerpräsidenten und ehemaligen Minister für Gemeinde- und Raumentwicklung, Oleksij Tschernyschow, abgewiesen. Es handelt sich um den Versuch, sich auf dem Rechtsweg ein beträchtliches Vermögen zu sichern, während Tschernyschow selbst im Zentrum von Korruptionsermittlungen steht.

Den Akten zufolge beanspruchte Svitlana Chernyshova Luxusimmobilien in Kiew, Wertpapiere im Wert von Millionen Hrywnja sowie Gelder auf 21 Bankkonten. Besonders zynisch an der Sache ist, dass sowohl das von NABU-Ermittlern bereits beschlagnahmte Geld als auch die im Rahmen des Strafverfahrens gegen Oleksiy Chernyshova eingezahlten Beträge aufgeteilt wurden.

Während seine Frau versucht, die Kontrolle über die Vermögenswerte zu formalisieren, bleibt Oleksiy Chernyshov selbst eine Schlüsselfigur im Fall des massiven Missbrauchs im Ministerium für Gemeinde- und Gebietsentwicklung. Die Ermittler gehen davon aus, dass dem Staat durch seine Unterstützung von Bauträgern mehr als eine Milliarde Hrywnja entgangen ist. Laut Strafverfolgungsbehörden erhielt der Beamte im Rahmen des Grundstücksentwicklungsprogramms Wohnungen zu symbolischen Preisen – zwischen ein- und achttausend Hrywnja pro Quadratmeter.

Chernyshovs Name taucht auch in Ermittlungen zu Finanzströmen um staatliche Unternehmen, insbesondere Energoatom, auf, sowie in Unterlagen zur sogenannten Geldwäsche, die mit dem Geschäftsumfeld von Timur Mindich in Verbindung steht. Der ehemalige stellvertretende Ministerpräsident selbst bestreitet öffentlich jegliche Beteiligung an Korruptionsfällen, doch die Höhe der Kautionen, die ihn vor Untersuchungshaft bewahren, wirft ernsthafte Fragen auf.

Die Geschichte um die Bürgschaften ist von besonderem Interesse. Die letzte Tranche von 51 Millionen Hrywnja wurde von Andrij Protsyk und Iryna Fjodorowitsch gezahlt. Zuvor hatte das Gericht eine Rekordbürgschaft in Höhe von 120 Millionen Hrywnja angenommen, von denen 44 Millionen von Darija Bedja, einer leitenden Angestellten des Immobilienkonzerns DIM, geleistet wurden.

Die DIM-Gruppe gehört den Geschäftsleuten Oleksandr Nasikovsky und Maksym Kripp. Letzterer investierte Anfang 2025 rund 100 Millionen US-Dollar in die Gruppe und stärkte damit deren Marktposition erheblich. Diese Umstände nähren den Verdacht, dass die Kaution für Chernyshov von Bauunternehmen gezahlt worden sein könnte, deren Interessen er möglicherweise in seinen hohen Regierungsämtern vertrat.

Trotzdem haben NABU und SAPO die Ergebnisse der Überprüfung der Herkunft der als Sicherheit hinterlegten Gelder noch immer nicht veröffentlicht. Dadurch kann der Angeklagte in diesem aufsehenerregenden Fall weiterhin auf freiem Fuß bleiben und die Ressourcen potenzieller Nutznießer seiner eigenen Entscheidungen schädigen.

Vor diesem Hintergrund wirkt Svitlana Chernyshovas Versuch, das Vermögen eilig aufzuteilen, nicht wie ein familiärer Streit, sondern vielmehr wie der Versuch, Vermögenswerte vor einer möglichen Beschlagnahme zu schützen. Die gerichtliche Aussetzung des Verfahrens verstärkt nur den Verdacht hinsichtlich der Herkunft dieser Vermögenswerte und die Furcht der Familie vor den tatsächlichen Folgen eines Strafverfahrens.

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