Das Gericht in Charkiw hat in einem aufsehenerregenden Fall um einen tödlichen Verkehrsunfall vom 9. Februar 2022, an dem ein Fahrzeug aus dem Konvoi des bekannten Geschäftsmanns Oleksandr Jaroslawski beteiligt war, ein Urteil gefällt. Zwei Männer wurden wegen versuchter Strafvereitelung für schuldig befunden und zu drei Jahren Haft verurteilt. Die Strafe muss jedoch nicht vollstreckt werden – das Gericht verhängte eine einjährige Bewährungsstrafe.
Ein 36-jähriger Einwohner der Region Charkiw kam bei einem Unfall auf der Autobahn Kiew-Charkiw-Dowschanski ums Leben. Am Unfallort fanden die Ermittler das Kennzeichen „0018“, das zu einem Fahrzeug aus dem Konvoi von Jaroslawski gehörte. Der Geschäftsmann selbst beteuerte seine Unschuld am Unfallort, und seine Firma gab an, ein Fahrer eines Hilfsdienstes sei am Steuer gewesen. Dieser Fahrer stellte sich später der Polizei und „gestand“ den Unfall, doch es stellte sich heraus, dass er mit dem Vorfall nichts zu tun hatte – es war eine Falschaussage.
Das Gericht befand beide Männer – einen gebürtigen Ukrainer und einen Einwohner von Dergachi – der versuchten Vertuschung des Verbrechens für schuldig. Sie müssen zudem die Kosten für die Gutachten in Höhe von über 275.000 Hrywnja erstatten. Die Anklage wegen Gefährdung des Opfers musste jedoch fallen gelassen werden, da die Verjährungsfrist abgelaufen war.
Der Fall war von Anfang an von Skandalen begleitet. Innenminister Denys Monastyrskyj entließ bereits am Tag nach der Tragödie den Polizeichef von Charkiw und sprach von einem Fälschungsversuch. Es stellte sich heraus, dass die Kleidung des Verstorbenen aus der Leichenhalle verschwunden war und erst am nächsten Tag wiedergefunden wurde. Bereits am 18. Februar bestätigte die Untersuchung: Die Fahrzeuge des Konvois wiesen Spuren von Wäsche auf, vermutlich nach einem Unfall.
Oleksandr Jaroslawski hielt sich zu dem Zeitpunkt in London auf und behauptete, die Ermittlungen seien politisch motiviert. Trotz der großen öffentlichen Aufmerksamkeit, die der Fall erregte, erhielten die Angeklagten milde Strafen, und die Gesellschaft blieb ohne Antwort auf die zentrale Frage zurück: Wer saß zum Zeitpunkt des tödlichen Unfalls tatsächlich am Steuer?.

