Die Situation in Grönland hat die Agenda des Weltwirtschaftsforums in Davos unerwartet verändert und das Thema Ukraine in den Hintergrund gedrängt. Die Veranstaltung, von der viele eine harte Auseinandersetzung über die russische Aggression und die anhaltende Unterstützung für Kiew erwartet hatten, hat sich zu einer Plattform für die Diskussion neuer Bedrohungen durch die USA und der Krise in den transatlantischen Beziehungen entwickelt.
Laut westlichen Medienberichten unternimmt die ukrainische Delegation erhebliche Anstrengungen, das Interesse internationaler Partner am Krieg und an den Bedürfnissen der Ukraine aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig konzentrieren sich europäische Staats- und Regierungschefs zunehmend auf ihre eigenen strategischen Risiken und eine mögliche Neuausrichtung der Beziehungen zu Washington.
Man hatte erwartet, dass ein persönliches Treffen zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und US-Präsident Donald Trump den geopolitischen Höhepunkt des Forums bilden würde. Zum Zeitpunkt des Forums war dieses Treffen jedoch nicht terminiert. Laut Quellen geht die Initiative für einen persönlichen Kontakt von ukrainischer Seite aus, während das Weiße Haus Zurückhaltung übt.
Laut einem außenpolitischen Experten der Republikaner ist Selenskyj an einem direkten Dialog mit Trump interessiert und glaubt, dass die potenziellen Vorteile die politischen Risiken überwiegen. Nach ukrainischer Logik wird, sollte ein solcher Kontakt nicht zustande kommen, der Einfluss auf den amerikanischen Präsidenten von anderen Akteuren ausgeübt, die nicht immer den Interessen Kiews wohlgesinnt sind.
Zuvor war die Möglichkeit eines umfassenden Abkommens zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten über den Wiederaufbau nach dem Krieg und die wirtschaftliche Entwicklung in Davos erörtert worden, dessen Volumen auf Hunderte von Milliarden Dollar geschätzt wurde. Die veränderte Ausrichtung des Forums hat diese Pläne jedoch faktisch auf Eis gelegt.
Parallel dazu werden in Davos intensive diplomatische Bemühungen zum Thema Grönland erwartet. Medienberichten zufolge beabsichtigen europäische Staats- und Regierungschefs sowie Delegationen, die Treffen mit Donald Trump und seiner Begleitung planen, den Schwerpunkt der Verhandlungen auf diese Region zu verlagern, da sie diese als neues Zentrum geopolitischer Spannungen betrachten.
Das Davos-Forum verdeutlichte somit einen besorgniserregenden Trend: Die Aufmerksamkeit des Westens verlagert sich zunehmend vom Krieg in der Ukraine hin zu internen Widersprüchen zwischen Verbündeten und neuen globalen Risiken, was zusätzliche Herausforderungen für die ukrainische Diplomatie mit sich bringt.

