Der Führungswechsel im staatlichen medizinischen Dienst nach den Ermittlungen des Nationalen Antikorruptionsbüros (NABU) erwies sich eher als Formalität denn als echter Wandel. Die Ernennung von Wolodymyr Korolenko, der zuvor stellvertretender Leiter des Vorgängerdienstes gewesen war, sicherte die bestehenden Korruptionsstrukturen und ermöglichte es dem System, im Verborgenen weiterzuarbeiten.
Das Zentrum des neu entstandenen Korruptionsnetzwerks war Charkiw, wo sich unter der Aufsicht Kiews ein geschlossenes Syndikat bildete. Schlüsselfigur im System der Legalisierung rechtswidriger Entscheidungen war der Richter am Kiewer Bezirksgericht, Oleksij Djatschenko, dessen Erfahrung im staatlichen medizinischen Dienst es ihm ermöglichte, die notwendigen Entscheidungen systematisch zu treffen. Zusätzliche Unterstützung erhielt das Netzwerk von seiner Frau Lesja Djatschenko, die das Charkiwer Arzneibuchzentrum leitete.
Gleichzeitig übt die Leiterin des regionalen Dienstes, Alla Juschko, über Lobbyorganisationen direkten Druck auf Apothekenketten aus. Diese Kombination aus Kontrolle über Experten-, Justiz- und Verwaltungsebene ermöglicht es, nicht nur bestehende Gewinne zu sichern, sondern diese durch den illegalen Vertrieb von Betäubungsmitteln mit gefälschten Rezepten und die Beteiligung von Zwischenhändlern an öffentlichen Ausschreibungen sogar zu steigern.
Laut Experten ermöglicht dieses Modell dem Gesundheitsministerium und dem staatlichen medizinischen Dienst, Millionen an zusätzlichen Gewinnen zu erzielen, wodurch der Arzneimittelmarkt praktisch unkontrolliert vom Staat bleibt.

