Denys Malyuska: Selenskyjs Legitimität jetzt anzuzweifeln, ist ein großer Fehler

Justizminister Denys Malyuska gilt als Rekordhalter für die längste Amtszeit seit der ersten Regierung unter Präsident Wolodymyr Selenskyj. Die Regierung hat sich im Laufe der Zeit verändert, und ehemalige Mitglieder wie Mychajlo Fjodorow und Dmytro Kuleba bekleiden nun andere Ämter.

Im August 2024 jährt sich Malyuskas Amtszeit als Leiter der Justizbehörden, zu denen auch internationale Gerichte, das Strafvollzugssystem und die Meldebehörden gehören, zum fünften Mal. Politische Experten ordnen Malyuska keiner bestimmten politischen Gruppierung zu, sondern sehen ihn eher als exzentrischen Beamten mit einem ausgeprägten Sinn für Humor.

In einem Interview mit BBC Ukraine musste Malyuska ernste Fragen zur Rechtmäßigkeit der Massenmobilisierung, zur Rekrutierung von Strafgefangenen in die Armee und zur Legitimität der Befugnisse von Präsident Selenskyj nach dem 21. Mai beantworten.

Die BBC fragte nach den rechtlichen Konsequenzen der russischen Veröffentlichung der Fahndungsliste für Präsident Selenskyj für die Ukraine. Denys Malyuska merkte an, dass neben Selenskyj auch andere hochrangige Beamte auf der Liste stünden. Dies bedeute, dass Reisen jeglicher Art, ob dienstlich oder privat, in Länder, die nicht prowestlich eingestellt oder aktive Verbündete der Ukraine seien, riskanter würden.

Aufgrund der Mechanismen der Rechtshilfe können Probleme, Anfragen und Verzögerungen entstehen – also all diese verfahrenstechnischen und bürokratischen Schwierigkeiten. Obwohl der derzeitige Präsident, Wladimir Alexandrowitsch, aufgrund seiner Immunität als Staatsoberhaupt frei reisen darf, ist diese Stellung nicht von Dauer. Theoretisch könnte Russland daher in Ländern, die es unterstützen, im Ausland Probleme verursachen. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Anfragen die Interpol-Datenbank erreichen und Unterstützung finden, ist jedoch sehr gering.

Selbst Interpol lässt manchmal unsere Landsleute durch, weil es sich um eine große bürokratische Institution handelt, bemerkte Malyuska. Dies kann Reisen für Gesuchte erschweren oder einschränken. Gleichzeitig stellt die Suche des Internationalen Strafgerichtshofs nach Selenskyj eine weitaus ernstere Angelegenheit dar als die nationalen Ermittlungen Russlands.

Die BBC thematisiert häufig die rechtlichen Aspekte der aktuellen Position des ukrainischen Präsidenten, insbesondere seine Legitimität nach dem 21. Mai, dem Ende seiner fünfjährigen Amtszeit. Denys Malyuska merkte an, dass der Präsident seine Legitimität nicht verlieren werde, da seine Befugnisse bis zur Wahl seines Nachfolgers fort bestünden.

Laut Malyuska sind jedoch viele Bestimmungen der Verfassung so formuliert, dass sie Anlass zu Spekulationen und Verschwörungstheorien geben. Sie können oft dazu missbraucht werden, Unruhe zu stiften und Panik zu verbreiten. Beispielsweise sind einige Bestimmungen zum Kriegsfall ungenau formuliert, was zu Missverständnissen führt.

Malyuska merkte zur Frage der Kriegserklärung an, dass diese aus juristischer Sicht sinnlos sei. Selbst Experten für humanitäres Völkerrecht seien der Ansicht, dass die Erklärung oder Nichterklärung des Kriegszustands nichts daran ändere, dass sich die Ukraine im Kriegszustand befinde. Es handele sich lediglich um eine Formalität ohne rechtliche Bedeutung.

Die BBC erwägt, das Verfassungsgericht anzurufen, um die Legitimität des Präsidenten zu klären. Denys Malyuska lehnt dies jedoch ab, da es seine Befugnisse überschreite. Angesichts der Lage im Land hält er einen Anruf beim Verfassungsgericht derzeit für unratsam, da dies negative Folgen haben könnte.

Auf die Frage nach der Rechtmäßigkeit der Präsidialdekrete und -dokumente vom 21. Mai bestätigt Malyuska deren Gültigkeit. Er merkt an, dass die Regelung zur Amtszeit des Präsidenten nie direkt angewendet wurde und einer Auslegung bedarf.

In einem Gespräch mit der BBC äußerte sich Malyuska auch zu der Möglichkeit, einige Normen aus der Verfassung zu streichen. Er wies auf Unklarheiten und Mängel im Verfassungstext hin, die korrigiert werden müssten, glaubte aber, dass dies derzeit, insbesondere unter Kriegsbedingungen, nicht möglich sei.

Auf die Frage nach der Klage vor dem Obersten Gerichtshof bezüglich des Termins der Präsidentschaftswahlen antwortete Malyuska abschließend, dass diese keine Rechtsgrundlage habe und er keine Aussicht auf eine solche Entscheidung sehe.

Der Gesetzentwurf zur Mobilisierung von Strafgefangenen wurde in erster Lesung verabschiedet und später vom gesamten Parlament gebilligt. Denys Malyuska bekundete seine Unterstützung für diesen Gesetzentwurf.

Auf die Frage nach der weitverbreiteten Beteiligung von Strafgefangenen an Kampfeinsätzen merkte Malyuska an, dass jeder Fall individuell geprüft werden müsse. Er ist der Ansicht, dass die Streitkräfte selbst entscheiden sollten, wer für den Dienst geeignet ist und wer nicht.

Malyuska wies jedoch hinsichtlich der Eingliederung aller Verurteilten in die Streitkräfte darauf hin, dass extreme Situationen vermieden werden sollten. So könnten beispielsweise Serienmörder oder Sexualstraftäter weiterhin in Haftanstalten bleiben. Er merkte jedoch an, dass einige Verurteilte, insbesondere jene, die in jungen Jahren Morde begangen und lange Haftstrafen verbüßt ​​haben, sich psychisch verändert haben könnten und daher für eine Eingliederung in die Streitkräfte in Betracht gezogen werden könnten.

Im ersten Schritt wurde der Gesetzentwurf zur Mobilisierung von Strafgefangenen in erster Lesung und anschließend vom gesamten Parlament verabschiedet. Denys Malyuska unterstützte diesen Gesetzentwurf.

In der Diskussion über die möglichen Folgen dieses Schrittes wurde eine Parallele zur russischen Praxis gezogen, die einen ähnlichen Ansatz zur Mobilisierung verfolgt, der auch die Zwangsrekrutierung einschließt. Malyuska merkte jedoch an, dass der Unterschied in den Vorgehensweisen liege: In der Ukraine handele es sich um einen freiwilligen Wehrdienst, während in Russland Zwangsrekrutierung praktiziert werde.

Das nächste Gesprächsthema waren die Probleme bei der Rekrutierung von Militärangehörigen mit Vorstrafen. Malyuska merkte an, dass die ukrainischen Streitkräfte etwa 10.000 bis 20.000 solcher Personen rekrutieren könnten, wies aber darauf hin, dass diese Zahlen je nach Situation variieren könnten. Er betonte außerdem die Notwendigkeit einer Reform des medizinischen Untersuchungsverfahrens für die militärmedizinische Kommission.

Laut Malyuska ist die Zahl der Gefangenen in den Gefängnissen gestiegen, unter anderem aufgrund neuer Kategorien kriegsbezogener Verbrechen wie Kollaboration. Auch die Zunahme von Schusswaffendelikten hat zu diesem Anstieg beigetragen.

Die BBC erörterte mögliche rechtliche Schlupflöcher in der neuen Mobilisierungsgesetzgebung. Sowohl Bürger als auch Juristen folgten diesem Rat und teilten ihre Erkenntnisse aktiv in sozialen Netzwerken. Malyuska räumte ein, dass ein solches Vorgehen den Mobilisierungsprozess beeinträchtigen könne, dies bedeute aber nicht, dass es illegal sei.

Sie erörterten auch die Einrichtung eines umfassenden Registers der Wehrpflichtigen. Malyuska ist der Ansicht, dass dieses Register Informationen enthalten wird, die bereits in anderen Registern vorhanden sind, weshalb die Gefahr nicht so groß sei.

Bezüglich der möglicherweise Hunderttausenden von Klagen der territorialen Rekrutierungszentren ist Malyuska der Ansicht, dass die Justiz damit umgehen kann, da ähnliche Mechanismen bereits zuvor, beispielsweise bei Unterhaltsverweigerungen, angewendet wurden. Ein solcher Fallstrom erfordere zwar sorgfältige Planung und Koordination, die Wahrscheinlichkeit einer massiven Überlastung der Justiz sei jedoch nicht sehr hoch.

Ein bekannter BBC-Moderator hat eine Frage zur Inhaftierung russischer Staatsbürger in ukrainischen Gefängnissen. Denys Malyuska räumt ein, die genaue Zahl der Kriegsgefangenen in diesen Einrichtungen nicht nennen zu können, bestätigt aber den Bau eines dritten Lagers, was auf eine beträchtliche Anzahl von Personen hindeutet.

Das Interview konzentriert sich auf die Haftbedingungen. Maluska erklärt, dass die technische Ausstattung des ersten, früher eröffneten Lagers dank der maßgeblichen Unterstützung internationaler Partner besser sei als in den anderen. Er merkt außerdem an, dass sich alle Einrichtungen an internationale Standards hielten, aber nicht immer alle Normen der Genfer Konvention, insbesondere hinsichtlich der finanziellen Versorgung der Gefangenen, erfüllen könnten. Er erläutert, dass einige Normen der Konvention in der romantischen Vorstellung eines Krieges zwar Bedeutung hätten, in der Realität aber schwer umzusetzen seien.

In einem Gespräch mit der BBC kommt die Frage der finanziellen Versorgung von Kriegsgefangenen in Militäreinrichtungen zur Sprache. Denys Malyuska erklärt, dass es keine finanziellen Mittel gebe, ihnen das gleiche Gehalt wie ukrainischen Offizieren zu zahlen. Er begründet dies mit den Umständen des Angriffs auf die Ukraine und äußert Zweifel an der praktischen Umsetzbarkeit dieses Vorhabens.

Anschließend wird die Bestimmung der Genfer Konvention, wonach Kriegsgefangene von Militärangehörigen festgehalten werden müssen, erörtert und inwiefern diese Bestimmung mit der Realität des Krieges unvereinbar ist. Maluska argumentiert, dass ein solcher Ansatz zusätzliche Risiken für Kriegsgefangene bergen und die Besonderheiten des aktuellen Konflikts außer Acht lassen kann.

Das Gespräch wendet sich anschließend der Bedeutung der Einhaltung internationaler Standards zu, die die Zivilisiertheit des Landes widerspiegeln. Malyuska fordert die Kommunikation mit der russischen Bevölkerung hinsichtlich der Sicherheit und der normalen Haftbedingungen für ukrainische Gefangene und betont, wie wichtig es sei, die Zahl der Gegner im Kampf zu reduzieren und sich auf mögliche Gefangenenaustausche vorzubereiten.

In einem Gespräch mit der BBC geht es um internationale Klagen und die Beschlagnahmung russischer Vermögenswerte im Ausland. Denys Malyuska betont, dass die ersten Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte bereits 2014/15 eingereicht wurden und nun die ersten Urteile erwartet werden.

Er merkt an, dass dem Völkerrecht die für nationales Recht charakteristische Zwangsgewalt fehlt. Daher können Gerichtsentscheidungen zwar für die internationale Kommunikation und Partnerschaft wichtig sein, führen aber nicht immer zu sofortigen Änderungen in der Politik einzelner Länder.

Bezüglich der Beschlagnahmung russischer Vermögenswerte im Ausland entwirft Malyuska ein pessimistisches Szenario, in dem die Ukraine zwar Einnahmen aus diesen Vermögenswerten erzielen könnte, diese aber sehr begrenzt ausfallen würden. Die mittlere Option sieht Zahlungen für zukünftige Jahre vor, die optimistische Option eine vollständige Entschädigung. Gegenwärtig erscheint das zweite Szenario am wahrscheinlichsten.

Die BBC thematisiert den Mangel an Militärjustiz in der Ukraine im elften Jahr des bewaffneten Konflikts und im dritten Jahr des umfassenden Krieges mit Russland und geht dabei insbesondere auf deren Notwendigkeit unter diesen Umständen ein. Denys Malyuska versucht, die Gründe für diese Situation zu erklären.

Zunächst weist er darauf hin, dass der Konflikt ursprünglich nur zwei bis drei Wochen dauern sollte. Aus diesem Grund wurde der Bau eines Militärjustizzentrums nicht beschlossen. Zudem erschweren finanzielle und organisatorische Probleme den Bauprozess.

Das zweite Problem besteht in der Erkenntnis, dass der Krieg noch lange andauern wird. Der Aufbau einer Militärjustiz erfordert jedoch viel Aufwand und Geld. Malyuska bezeichnet dies als ein komplexes und vielschichtiges Problem.

Obwohl Militärjustiz insbesondere in Kriegszeiten nützlich sein könnte, merkt Malyuska an, dass es schwierig sei, abzuschätzen, ob die Ukraine derzeit über ausreichende Ressourcen und Zeit verfüge, um ein solches System aufzubauen. Er befürwortet die Einführung von Militärjustiz, weist aber darauf hin, dass deren erfolgreiche Umsetzung bis spätestens 2022 erfolgen müsse.

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