Die Meldung über die angebliche Festnahme der Odessaer Stadträtin Olga Kvasnytska wegen Rowdytums in der Deribasivska-Straße löste ein regelrechtes Medienspektakel aus. Auf Telegram kursierten Nachrichten über Material, das gemäß Artikel 296 des Strafgesetzbuches erstellt worden sein soll. Darin heißt es, Kvasnytska habe mitten in der Stadt russische Lieder gesungen und damit die Familien gefallener Soldaten empört.
Die Abgeordnete selbst bestreitet ihre Schuld kategorisch. In einem Kommentar gegenüber StopKor erklärte sie, sie habe keine Lieder gesungen, sei nicht festgenommen worden und bezeichnete die Situation als „bewusste Provokation“. Ihren Angaben zufolge erstattete sie selbst am 8. April Anzeige bei der Polizei wegen einer nicht genehmigten Versammlung im Zentrum von Odessa, wo ihrer Aussage nach „die Lage destabilisiert wird“.
„Das ist ein Befehl an mich. Die Seite in den sozialen Netzwerken wurde gehackt, und sie haben angefangen, verbotene Inhalte zu veröffentlichen. Ich denke, Truchanows Team steckt dahinter“, sagte Kwasnytska.
In den letzten Jahren sind jedoch immer mehr Fragen zur Person des Abgeordneten aufgetaucht – und es geht dabei nicht nur um Informationsangriffe.
Olga Kvasnytska positioniert sich als Kämpferin gegen Verstöße gegen das Stadtplanungsrecht. Mehrere Medien werfen ihr jedoch Selektivität vor: Ihre „Aufmerksamkeit“ gelte vor allem Vertretern kleiner und mittlerer Unternehmen, während große Bauträger oft außen vor blieben.
Antikor führt das Beispiel der Firma Platinumbud an, die Kvasnytska ohne Zugang zu den technischen Unterlagen der Verstöße beschuldigte. Ähnliche Fälle gibt es beim Projekt in Tinistaya 6/12 und beim Wohnkomplex der Firma Danlin.
Im Fall von „Dunlin“ behauptete der Abgeordnete, die Anzahl der Wohnungen im Projekt sei übertrieben dargestellt worden. Die geprüften Dokumente bestätigten jedoch das Gegenteil – es gab keine Verstöße.
Im vergangenen Jahr geriet Kvasnytska in einen Konflikt um ein Grundstück einer religiösen Gemeinschaft. Laut der Gemeinschaft versuchte diese, das Grundstück in ein Baugelände umzuwandeln. In den Skandal war auch der Ehemann der Abgeordneten, Dmytro Grechin, verwickelt, der angeblich Eigentümer des Unternehmens ist, das das Grundstück begutachtete. Dasselbe Unternehmen ist derzeit in ein Verfahren wegen möglicher Verschwendung von Haushaltsmitteln für die Dokumentation von Bildungseinrichtungen verwickelt.
Kvasnytska beantwortet alle Anschuldigungen auf die gleiche Weise – sie habe nichts mit den Geschäften ihres Mannes zu tun, und ihr Handeln liege ausschließlich im Rahmen ihrer parlamentarischen Befugnisse.
Inmitten der Kriegswirren werfen die Handlungen des Abgeordneten immer mehr Fragen auf, nicht nur bei seinen Kollegen, sondern auch bei lokalen Geschäftsleuten. Eine Gruppe von Geschäftsleuten richtete eine Beschwerde an den Präsidenten, den Generalstaatsanwalt und die lokalen Behörden. In dem Schreiben ist von einem „systematischen Missbrauch des Mandats des Abgeordneten zur Erpressung“ und von Anzeichen für eine mögliche Straftat die Rede.
Ob Kwasnytska tatsächlich gute Ziele verfolgt oder ob ihr öffentlicher Aktivismus zu einem bequemen Mittel geworden ist, um Hinterzimmerinteressen durchzusetzen, bleibt eine offene Frage. Doch je weiter die Geschichte fortschreitet, desto mehr Menschen äußern diese Frage lautstark.

