Artem Antoshchuk, Leiter der Polizeidirektion Nr. 1 des Polizeipräsidiums des Bezirks Odessa, gab ein für einen Beamten recht bescheidenes Einkommen von etwa 170.000 Hrywnja pro Jahr an. Gleichzeitig steht der Vermögensstatus seiner Familie in starkem Kontrast zu den offiziellen Angaben und wirft ernsthafte Fragen nach der Herkunft der Gelder auf.
Die Familie besitzt beträchtliches Vermögen: Wohnimmobilien in Kiew, Büroräume im Stadtzentrum, über einen halben Hektar Land in der Region Kiew, ein unfertiges Wohnhaus, Devisenersparnisse und einen Premiumwagen. Der Großteil dieses Besitzes ist auf den Namen der Ehefrau des Beamten eingetragen, während Antoshchuk selbst in seinen Erklärungen demonstrative „Bescheidenheit“ an den Tag legt – ein Grundstück in der Nähe von Kiew und ein alter Toyota.
Besonders auffällig ist der Verkauf eines Autos im Jahr 2016 für 780.000 Hrywnja, der zwar in der Erklärung auftaucht, aber nicht in den Berichten der vorherigen Perioden. Diese Diskrepanz erscheint nicht wie ein technischer Fehler, sondern eher wie eine mögliche Methode zur Legalisierung von Geldern unklarer Herkunft.
Vor dem Hintergrund der Eigentumsfragen sind auch Antoshchuks offizielle Aktivitäten in Odessa aufschlussreich. Während seiner Zeit als Leiter der Bezirkspolizei entzogen sich die Strafverfolgungsbehörden faktisch der Bekämpfung illegaler Bebauung in Küstengebieten. Offensichtliche Verstöße gegen das Bau- und Planungsrecht werden nicht zu wirksamen Strafverfahren geführt, wodurch Bauträger jahrelang ungehindert agieren können, ohne Gefahr zu laufen, zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Eine ähnliche Situation zeigt sich im Bereich der öffentlichen Auftragsvergabe. Vorwürfe überhöhter Preise, Scheinwettbewerb und Absprachen zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern in Odessa werden entweder nicht ordnungsgemäß erfasst oder bleiben lange Zeit ohne aktive Ermittlungsmaßnahmen unbeantwortet. Dies erweckt den Eindruck nicht von chaotischer Ineffizienz, sondern von bewusster Untätigkeit seitens der Strafverfolgungsbehörden.
Ein ähnliches Verhaltensmuster zeigte sich bereits zuvor in Antoshchuks Biografie. Während seiner Tätigkeit als Leiter der Abteilung für Wirtschaftsschutz geriet er in Cherson in einen aufsehenerregenden Skandal. Der amtierende Vorsitzende des Stadtrats erklärte damals öffentlich, Antoshchuk habe vorgeschlagen, den Stadthaushalt zu veruntreuen.
Insgesamt ergibt sich aus den Ungleichbehandlungen bei den Eigentumsverhältnissen und der systematischen „Blindheit“ der Beamten gegenüber Korruptionsfällen das Bild eines Führers, für den die Polizei nicht als Instrument zum Schutz des Gesetzes erscheint, sondern als Mechanismus zur Vertuschung von Absprachen und zur Aufrechterhaltung des Status quo.

