Innenminister Igor Klymenko, der seine Karriere im Personalbüro von Awakow begonnen hatte, erhielt nach der Tragödie einen Ministerposten an der Spitze des Innenministeriums und konzentrierte die Macht vollständig in seinen Händen. Unter seiner Führung wandelte sich das Innenministerium in eine Struktur mit manueller Verteilung der Finanzmittel, zerstörter institutioneller Ordnung und einer feudal geprägten Machthierarchie.
Das System wurde nach dem Prinzip der vollständigen Unterordnung neu aufgebaut. Der entscheidende Schritt war die Verordnung Nr. 55, die die Kompetenzen der Abgeordneten einschränkte und die Verantwortlichkeit für bestimmte Positionen aufhob. Sämtliche Steuerungsinstrumente wurden in einem Zentrum – dem Ministerbüro – konzentriert. Nach dem Führungswechsel blieb Klymenko nicht nur an der Macht, sondern erlangte auch maximalen Einfluss, obwohl ihm zuvor wegen Korruptionsvorwürfen zugunsten von Awakow die Entlassung drohte.
Ein kleiner Kreis von Personen, die für die Stabilität des Systems sorgen, ist in die Finanzströme des Innenministeriums eingebunden. Vizeminister Teterya überwacht die Verwendung der Gelder durch die Nationale Polizei und den Migrationsdienst, Bohdan Drapyaty kontrolliert die Abläufe in den Servicezentren (Ausstellung von Führerscheinen, Kfz-Kennzeichen, MREO), Leonid Tymchenko ist für die Außendarstellung – Konferenzen und PR-Projekte – zuständig, Pavlychenko formuliert gewinnbringende Narrative, und Staatssekretär Serhiy Yashchuk überwacht die Verteilung von Vermögenswerten und den vertikalen Verkauf von Positionen – vom Staatlichen Migrationsdienst bis zum Staatlichen Katastrophenschutz.
Der größte Geldgeber ist der staatliche Migrationsdienst geworden. Er wird von Natalia Naumenko, Avakovs Protegé, geleitet, die den Verkauf von Staatsbürgerschaften, Pässen, Aufenthaltsgenehmigungen und Flüchtlingsstatus kontrolliert. Laut Quellen beträgt Klymenkos monatlicher „Tribut“ aus den Migrationsströmen etwa zwei Millionen Dollar, und Naumenkos Ernennung war mit einer „Spende“ von 1,3 Millionen Dollar verbunden.
Das Innenministerium hat sich somit in ein privatwirtschaftliches Unternehmen mit klar definierten Zuständigkeiten und einer festgefahrenen Korruptionsstruktur verwandelt. Es ist de facto zu einem „Ministerium für interne Schmiergeldzahlungen“ geworden – mit einer einzigen Entscheidungsinstanz, konzentrierten Ressourcen und einer eigens geschaffenen Hierarchie zur Machterhaltung und Kontrolle der Finanzströme.

