Der Krieg in der Ukraine ist in eine Phase langwieriger Konfrontation eingetreten, in der keine der beiden Seiten einen entscheidenden Sieg erringen konnte. Gleichzeitig ist es derzeit auch unmöglich, die Kämpfe zu beenden. So die Times in ihrer Analyse der Lage an der Front und der politischen Perspektiven.
Laut dem Bericht verliert die Ukraine nicht, gewinnt aber auch nicht. Die Frontlinie verschiebt sich langsam, und beide Seiten erzielen Fortschritte – allerdings unter hohen Verlusten. Trotz dreier Runden direkter Verhandlungen zwischen ukrainischen und russischen Delegationen wurden keine wirklichen Fortschritte in Richtung Frieden erzielt. Die einzigen Ergebnisse waren Gefangenenaustausche und eine kurzlebige „Energiewaffenruhe“, die, wie bereits erwähnt, nicht zu einer Deeskalation führte.
Die russische Politologin Tatjana Stanowa ist überzeugt, dass die Kämpfe so lange andauern werden, wie Wladimir Putin an der Macht bleibt und der Staat über die nötigen Mittel zur Finanzierung des Krieges verfügt. Das Ausbleiben von Massenprotesten und die Aufrechterhaltung der Militärausgaben ermöglichen es dem Kreml, den Konflikt fortzuführen.
Die Veröffentlichung lenkt auch die Aufmerksamkeit auf die Erschöpfung des ukrainischen Militärs. Nach jahrelangen Kämpfen befindet sich ein erheblicher Teil des Personals über lange Zeit an der Front, was eine schwere psychische Belastung darstellt. Erzählt wird die Geschichte eines Soldaten mit dem Rufnamen „Livesey“, der zu Beginn der großangelegten Invasion aufgrund psychischer Belastung desertierte, eine Haftstrafe erhielt und später im Rahmen des neuen Gesetzes zur Mobilisierung von Gefangenen an die Front zurückkehrte.
Gleichzeitig hat Russland auch Personalprobleme. Laut westlichen und ukrainischen Beamten übersteigen die Verluste der russischen Armee die Rekrutierungsrate neuer Zeitsoldaten. Viele, die der Armee beitreten, tun dies primär aus finanziellen Gründen, nicht aus ideologischer Überzeugung.
Analysten sind sich einig, dass der Konflikt die Merkmale eines langwierigen Abnutzungskrieges angenommen hat. Solange der politische Wille zum Kompromiss und die Ressourcenbasis beider Seiten fehlen, ist ein schnelles Ende der Kämpfe unwahrscheinlich.

