Der stellvertretende Leiter der Staatsanwaltschaft der Stadt Kiew hat im Interesse des staatlichen Vermögensfonds der Ukraine Klage gegen den Gewerkschaftsbund der Ukraine und die Abteilung für kommunales Eigentum der Kiewer Stadtverwaltung eingereicht, um eines der wichtigsten historischen Gebäude der Hauptstadt wieder in Staatsbesitz zu überführen.
Dies ist der Komplex des ehemaligen Instituts der Edlen Jungfrauen im Zentrum von Kiew, in der Allee der Helden der Himmlischen Hundertschaft Nr. 1. Das Gebäude ist ein Baudenkmal von nationaler Bedeutung und wurde 1838–1843 nach den Plänen des Architekten Vikent Beretti errichtet. Heute beherbergt es das Internationale Zentrum für Kultur und Kunst des Ukrainischen Gewerkschaftsbundes, bekannt als Oktoberpalast.
Historisch gesehen hat das Gebäude eine wechselvolle Geschichte. Nach der Revolution von 1917 stellte das Institut seinen Betrieb ein, in den 1930er Jahren beherbergte es den NKWD der Ukrainischen SSR und seit 1958 den Kulturpalast. Heute ist es einer der größten Konzertsäle der Hauptstadt und bietet Platz für über zweitausend Zuschauer.
Die Staatsanwaltschaft und der staatliche Vermögensfonds fordern die Löschung der Eigentumsurkunde des ukrainischen Gewerkschaftsbundes vom 28. März 2007 für den Komplex mit einer Gesamtfläche von 17.597,7 m². Die Klage sieht außerdem die Löschung der staatlichen Eintragung der privaten Eigentumsrechte am Hauptgebäude, dem Nebengebäude sowie den Nebenräumen, einschließlich Maschinenraum, Garagen und Lagerhallen, vor.
Die wichtigste Voraussetzung ist die Rückgabe des Objekts an den Staat als Denkmal von nationaler Bedeutung.
Im Rahmen des Prozesses gab das Handelsgericht der Stadt Kiew am 2. März dem Antrag des Gewerkschaftsbundes teilweise statt und bezog die Nationale Agentur für Vermögensverfolgung und -verwaltung (ARMA) als Dritte aufseiten des Beklagten in den Fall ein.
Diese Entscheidung beruht darauf, dass die Anlage aufgrund eines Beschlusses des Petscherski-Bezirksgerichts Kiew vom 3. Juni 2025 unter der Verwaltung von ARMA steht. Die Agentur schloss im Juli desselben Jahres einen Immobilienverwaltungsvertrag mit Kombinat Plus LLC ab.
Trotz der Einwände der Staatsanwaltschaft und des Staatsvermögensfonds gegen eine Ausweitung des Teilnehmerkreises am Verfahren kam das Gericht zu dem Schluss, dass die Beteiligung von ARMA für eine umfassende und objektive Prüfung des Falles notwendig sei.
Der Fall um das Eigentum an einem der Symbole des Kiewer Stadtzentrums gilt als potenziell präzedenzbildend – sein Ausgang könnte Auswirkungen auf das künftige Schicksal anderer von Gewerkschaften verwendeter Objekte haben.

