Mangelnde Motivation und mangelnde Koordination sind die Hauptgründe dafür, dass Soldaten ihre Einheiten unerlaubt verlassen und somit in die Kategorie der unerlaubten Truppenverweigerung fallen. Dies erklärte der Sanitäter Gleb Bityukov in einem Interview mit Radio Liberty.
Seinen Angaben zufolge meldeten sich die Menschen in den ersten Monaten des Ersten Weltkriegs freiwillig zum Militär – vor den Melde- und Einberufungsstellen bildeten sich lange Schlangen. Doch die erste Welle motivierter Rekruten ist längst versiegt. Nun ziehen Menschen an die Front, denen es an Motivation und Ausbildung mangelt. Oft werden ihnen nicht einmal die grundlegendsten Dinge erklärt – wer ihr Kommandant ist, wo sich die Stellungen befinden, wohin sie sich bewegen sollen und was genau ihre Aufgabe ist.
„Sie werden einfach gefangen genommen, in Positionen gebracht – und das war’s. Man versteht nicht, wo man gelandet ist. Zwischen dem Übungsgelände und der Front liegen zwei Welten“, sagte der Sanitäter.
Ein weiteres Problem nennt Bityukov die mangelnde moralische und psychologische Unterstützung. Laut dem Sanitäter sei die Position des stellvertretenden Kommandeurs der MPZ oft nur formal besetzt, und fast niemand arbeite mit den Soldaten zusammen. Auch die Kommandeure im Feld seien oft abwesend oder physisch nicht erreichbar: „In manchen Einheiten haben die Soldaten ihren Kompaniechef noch nicht einmal gesehen.“.
Solche Bedingungen, so glaubt der Militärangehörige, demoralisieren selbst diejenigen, die motiviert waren. Und das Problem, sagt er, sei weit verbreitet.
Gleichzeitig stellt der Arzt fest, dass sich die Situation teilweise durch die Abschaffung der Strafbarkeit für Militärangehörige verbessert hat, die ihre Einheiten freiwillig verlassen haben, aber zurückkehren wollen. Da dies nun ohne Verfolgungsrisiko möglich ist, kehren einige der Kämpfer zurück.

