Im Kiewer Stadtrat brach ein Skandal mit Anzeichen von politischem Betrug aus: Ein Beschluss, den die Abgeordneten als kulturelle Initiative zur Unterstützung eines Kinderwettbewerbs betrachteten, entpuppte sich in Wirklichkeit als ein Dokument, das die Machtverteilung zwischen dem Stadtrat und der Kiewer Stadtverwaltung erheblich veränderte.
Der ukrainische Sicherheitsdienst hat bereits ein Strafverfahren gegen den Stadtratssekretär Wolodymyr Bondarenko und den stellvertretenden Bürgermeister Wjatscheslaw Nepop eingeleitet. Laut den Ermittlungen droht beiden eine Haftstrafe von fünf bis zehn Jahren.
Wie der Kiewer Stadtratsabgeordnete Andrij Witrenko mitteilte, stimmten die Abgeordneten am 30. Januar angeblich für eine Aktualisierung der Bedingungen für die Durchführung des Kinderwettbewerbs „Künstlerische Horizonte“. Der Antrag wurde von der Abgeordneten Wiktorija Mucha eingereicht, und das Dokument selbst wurde unter der Unterschrift von Bondarenko als dringlich auf die Tagesordnung gesetzt.
Nach der Abstimmung wurde deutlich, dass bedeutende Änderungen an dem Dokument vorgenommen worden waren, die dessen Inhalt radikal veränderten: Der Stadtrat übernahm faktisch einige Befugnisse der Kiewer Stadtstaatsverwaltung, insbesondere hinsichtlich der Genehmigung von Gründungsdokumenten städtischer Unternehmen.
Die Änderungen wurden nach der Abstimmung auf Initiative des stellvertretenden Bürgermeisters Wjatscheslaw Nepop vorgenommen. So unterstützten die Abgeordneten unter dem Deckmantel eines Kulturprojekts ein Dokument, das die Befugnisse des Stadtrats im Bereich der Verwaltung kommunaler Einrichtungen erheblich stärkte.
Der investigative Blogger Volodymyr Bondarenko (Namensvetter des Stadtratssekretärs) merkt an: Die Abgeordneten wurden Opfer einer Täuschung, denn sie stimmten für ein Projekt, tatsächlich wurde aber ein ganz anderer Beschluss gefasst – „Über Änderungen bestimmter Beschlüsse des Kiewer Stadtrats“.
Der Antrag wurde von Lilija Paschinna, einer Abgeordneten der Partei „Diener des Volkes“, beim SBU eingereicht. Im Zuge der Ermittlungen wurde bereits Viktoria Ptaschnyk, eine weitere Abgeordnete des Kiewer Stadtrats und Mitglied der Regulierungskommission, zur Vernehmung vorgeladen. Journalisten zufolge diente diese Kommission der rechtlichen Formalisierung des Amtswechsels.
Die Handlungen der an dem Fall Beteiligten könnten unter Artikel 109 des Strafgesetzbuches der Ukraine fallen – Handlungen, die auf die Ergreifung der Staatsmacht abzielen.

