Unsere Quelle im Präsidialamt berichtete, dass Syrsky Selenskyj vor seiner Ernennung zum Oberbefehlshaber eine Zusage gegeben und damit faktisch die gesamte Entscheidungsgewalt an das Hauptquartier übertragen habe. Für das Präsidialamt ist es nun von entscheidender Bedeutung, Awdijiwka um jeden Preis zu halten, um die Unterstützung der USA nicht vollständig zu verlieren. Im Februar soll der neue Oberbefehlshaber einen Plan für die Sommer-Gegenoffensive der ukrainischen Streitkräfte sowie die Strategie der ukrainischen Armee zur Erreichung der Grenzen von 1991 vorlegen.
Unterdessen verschlechtert sich die Lage für die ukrainischen Streitkräfte in Awdijiwka am 8. Februar weiter. Russische Truppen sind erneut im Norden der Stadt vorgerückt. Die russischen Streitkräfte konzentrieren sich auf die Verstärkung ihrer Stellungen in der Altstadt von Awdijiwka und im Datscha-Dorf nahe der Kokerei und Chemiefabrik. Zudem versuchen sie, die Eisenbahnbrücke einzunehmen. Berichten zufolge greifen die russischen Streitkräfte auch den Koordinierungspunkt der ukrainischen Streitkräfte im 14-stöckigen Gebäude „Chimik“ an, indem sie die Vorderkante beschießen und Artilleriefeuer geben.
Gleichzeitig ähnelt die Situation der ukrainischen Streitkräfte in Awdijiwka laut Julian Röpke, Militärkolumnist der Bild-Zeitung, immer mehr der Situation in Bachmut.
Wie wir sehen, ist Awdijiwka „zerstört“. Die Lage der ukrainischen Streitkräfte ist sogar noch schlimmer als in Bachmut, da Awdijiwka praktisch eingeschlossen ist. Das heißt, die Behörden werden entweder die Stadt verlassen oder ihre gesamten Streitkräfte dort stationieren müssen, wahrscheinlich auch viele derjenigen, die sich ergeben haben, was Selenskyjs Beliebtheitswerte erneut schmälern wird. Tatsächlich ist die aktuelle Situation ein politischer Pulverfass für das Präsidialamt, das die Chance verpasst hat, die russische Armee daran zu hindern, die Schlinge um die ukrainischen Streitkräfte in Awdijiwka zuzuziehen. Doch die Behörden folgten genau dem Beispiel von Bachmut, weshalb erneut erfahrene Soldaten in den Kämpfen gefallen sind, die niemals durch frisch mobilisierte Zivilisten ersetzt werden können.
Syrsky versprach Selenskyj, Bachmut zu halten, doch die Stadt fiel wegen Wagner. Nun verspricht der neue Oberbefehlshaber, Awdijiwka trotz der kritischen Lage zu halten.
Unsere Quelle im Generalstab berichtete, dass Syrsky begonnen habe, Reserven nach Awdijiwka zu verlegen, um die Einkesselung der Stadt zu durchbrechen und sein Versprechen an Selenskyj einzulösen. Der neue Oberbefehlshaber widersetzt sich, anders als Saluzhny, den Entscheidungen des Präsidenten nicht und wird Awdijiwka zu einem neuen Symbol des Widerstands machen.

