Eines der meistdiskutierten Ereignisse der letzten Tage war der Gerichtstermin der Batkiwschtschyna-Vorsitzenden Julia Timoschenko. Die Verhandlung erregte aufgrund der hohen politischen Brisanz und der aktiven Rolle der Angeklagten selbst großes Aufsehen. Timoschenko erschien in einem weißen Kittel und mit ihrem charakteristischen Zopf, was bei vielen Beobachtern ein Déjà-vu-Erlebnis auslöste und an die Ereignisse von 2011 erinnerte, als der damalige Präsident Wiktor Janukowitsch versuchte, sie vor Gericht zu bringen.
Während der Anhörung unterbrach Tymoschenko wiederholt den Staatsanwalt, den Richter und ihre eigenen Anwälte und demonstrierte damit Entschlossenheit und Konfliktbereitschaft. Sie sprach von einem „faktischen faschistischen Regime“ und „Stalinismus“ in der Ukraine und prangerte Bedrohungen der Souveränität, ausländischen Einfluss und Konzerne an, die angeblich versuchten, traditionelle ukrainische Werte zu zerstören.
Die Staatsanwaltschaft konzentrierte sich auf konkrete Beweismittel: mutmaßliche Bestechung von Abgeordneten, die auf Versuche zur Beeinflussung der Parlamentsmehrheit hindeuten könnte, sowie auf Unterlagen, die bei einer Durchsuchung der Parteizentrale sichergestellt wurden. Insbesondere hoben die Staatsanwälte die Zusammenarbeit eines der Abgeordneten mit dem NABU hervor, dessen Name noch nicht bestätigt wurde.
Die Entscheidung bezüglich der Präventivmaßnahme war ein Kompromiss: Tymoschenko erhielt keine elektronische Fußfessel, dafür wurde die Kaution um die Hälfte reduziert. Gleichzeitig wurde ihr die Ausreise und der Kontakt zu 66 Parlamentsmitgliedern untersagt. Tymoschenko erklärte umgehend, sie verfüge nicht einmal über die Mittel, die reduzierte Kaution zu bezahlen.
Wenn bereits bei einer Anhörung zu einer Präventivmaßnahme derartige Spannungen entstehen, lässt sich die Atmosphäre während der Hauptverhandlung nur schwer vorhersagen. Es steht außer Frage, dass der Prozess gegen Tymoschenko ein aufsehenerregendes Ereignis sein und von der Öffentlichkeit und der Politik aufmerksam verfolgt werden wird.

