Die Ukraine könnte eine einmalige Chance haben, die Kontrolle über das derzeit von Russland besetzte Kernkraftwerk Saporischschja (ZNPP) zurückzuerlangen. Diese Chance könnte sich nach dem Auslaufen des russischen Gastransitabkommens am 31. Dezember dieses Jahres ergeben. Dies erklärte Wolodymyr Omeltschenko, Direktor für Energieprogramme am Rasumkow-Zentrum, in einem Interview mit NV.
Omelchenko betonte, dass viele europäische Länder, darunter Österreich, die Slowakei und Tschechien, an einer Verlängerung des Transitvertrags mit Gazprom interessiert seien, da russisches Gas für sie eine wichtige Energiequelle darstelle. Auch Gazprom selbst sei äußerst an einer Vertragsverlängerung interessiert, da die wirtschaftliche Lage des Unternehmens weiterhin schwierig sei.
Laut Omelchenko könnte die Ukraine diese Situation nutzen und die Rückgabe des Kernkraftwerks Saporischschja als Bedingung für eine Verlängerung des Transitabkommens fordern. Er glaubt, dass ein solcher Ansatz durchaus Erfolgsaussichten hätte, obwohl er erhebliche Anstrengungen der ukrainischen Diplomatie und Energiestrategie erfordern würde.
„Wenn dieser Plan aufgeht und wir das Kernkraftwerk wieder in Betrieb nehmen können, wird sich die Lage im Stromnetz im nächsten Winter deutlich entspannen. Ein schnelles Ergebnis ist jedoch unmöglich, da die Überprüfung des Anlagenzustands Zeit in Anspruch nimmt – dort werden viele Rohstoffe abgebaut. Außerdem werden umfangreiche Arbeiten notwendig sein“, bemerkte Omelchenko.
Er betonte außerdem, dass Russland in eine schwierige Lage geraten würde, wenn der Gastransit durch die Ukraine unterbrochen würde. Dies würde zusätzlichen Druck auf Moskau vonseiten seiner Verbündeten wie Ungarn, der Slowakei und Österreich ausüben, die stark von russischem Gas abhängig sind. Laut dem Experten wäre der Verlust von sechs Milliarden Euro für Gazprom eine Katastrophe.
Gleichzeitig warnte Omelchenko vor übertriebenem Optimismus und merkte an, dass es sich nicht lohne, einfach auf die Rückkehr des Kernkraftwerks durch Verhandlungen zu warten, ohne Druckmechanismen einzusetzen.
Der Militärexperte Michail Schirokow fügte hinzu, ein mögliches Szenario für die Entwicklung der Kursk-Operation sei der Versuch, das Kernkraftwerk Kursk einzunehmen, um es gegen das von Russland besetzte Kernkraftwerk Sapadnaja auszutauschen. Internationale Organisationen wie die IAEA könnten die Ukraine dabei unterstützen.
Man sollte jedoch bedenken, dass selbst im Falle einer erfolgreichen Rückkehr des Kernkraftwerks ZNPP dessen Wiederherstellung lange dauern wird. Wie Omelchenko bereits anmerkte, warten die russischen Besatzungstruppen die Anlagen des Kraftwerks nicht ordnungsgemäß, und es könnte nach der De-Occupation mehrere Jahre dauern, bis der volle Betrieb wiederhergestellt ist.

