Der Wirtschaftswissenschaftler Oleksiy Kushch erklärte, warum die Ukraine von einer neuen Gaskrise bedroht ist

Der Wirtschaftswissenschaftler Oleksiy Kushch erklärt in seiner Kolumne, wie sich die Eskalation im Nahen Osten auf den europäischen Gasmarkt auswirken könnte, warum die Energiepreise bereits steigen und welche Szenarien die Ukraine hat, um im nächsten Winter eine Gasknappheit zu vermeiden.

Angesichts der Eskalation des Konflikts um den Iran sind die Gaspreise in Europa sprunghaft angestiegen. Während die Kurse am wichtigsten europäischen Gashandelsplatz TTF Anfang des Jahres noch bei etwa 30–33 € pro MWh lagen, hatten sie sich bis Anfang März auf 60 € pro MWh und mehr verdoppelt.

Dies ist ein weiteres Signal an die Ukraine: Wir müssen uns jetzt vorbereiten. In Zeiten der Knappheit steigen die Gaspreise auf dem Markt sehr schnell an.

Es gibt mehrere Quellen, aus denen die Ukraine potenziell zusätzliche Ressourcen beziehen kann.

Die erste Möglichkeit besteht darin, Gas aus Europa zu importieren. Dies ist zwar der schnellste, aber auch der teuerste Weg. Zudem werden die EU-Länder im Falle einer Versorgungsengpass vorrangig ihren eigenen Bedarf decken, was die Importe weniger planbar macht.

Die Situation der europäischen Reserven übt zusätzlichen Druck aus: Sie gehen mit einem Füllstand von nur etwa 60 % in die Gaseinspeisesaison. Das ist nicht nur deutlich weniger als die 68 % des Vorjahres, sondern auch einer der niedrigsten Werte der letzten fünf Jahre.

Unsicherheit und schwache Marktbedingungen verschärfen den Wettbewerb um die Ressource und erhöhen das Risiko neuer Preisspitzen.

Die zweite Möglichkeit besteht darin, die eigene Produktion zu steigern.

Mit einem Verbrauch von 19–20 Milliarden Kubikmetern im Jahr 2025 sank die Erdgasproduktion in der Ukraine auf 16,9 Milliarden Kubikmeter, verglichen mit über 19 Milliarden Kubikmetern im Vorjahr. Die Erdgasimporte hingegen stiegen um fast das Neunfache – von 724 Millionen Kubikmetern auf einen Rekordwert von 6,5 Milliarden Kubikmetern.

Das heißt, das Land deckt seinen Bedarf fast vollständig selbst, ist aber in Spitzenzeiten dennoch gezwungen, Gas zu importieren.

Gleichzeitig ist die Erschließung neuer Gasquellen ein langwieriger Prozess, der erhebliche Investitionen, Zeit sowie ein gewisses Maß an Stabilität und Planbarkeit erfordert. Aufgrund der russischen Aggression ist auf keine dieser Komponenten Verlass: Die Russen greifen weiterhin die Gasinfrastruktur an und werden dies offenbar so lange tun, wie der Krieg andauert.

Die dritte Option besteht schließlich darin, Felder in Betrieb zu nehmen, die bereits betriebsbereit sind.

Die schnellste Möglichkeit, zusätzliche Ressourcen zu gewinnen, besteht darin, den Betrieb derjenigen Unternehmen wieder aufzunehmen, die bereits über die nötige Infrastruktur verfügen und Gas fördern können. Einige dieser Lizenzen sind derzeit gesperrt, obwohl die Felder sofort zusätzliche Fördermengen liefern könnten.

So erklärte beispielsweise das britische Unternehmen Enwell Energy zuvor, dass es bei stabilen Bedingungen seitens der Regulierungsbehörde zusätzliche Mengen an Gas, Kondensat und Öl für den ukrainischen Markt liefern könne.

Ähnliche Diskussionen finden auch um andere Vermögenswerte statt.

Angesichts der zunehmenden Energierisiken für Europa erscheint die Verzögerung solcher Entscheidungen immer unverständlicher. Nach einem teilweisen Wechsel im Management bietet sich nun die Chance, produktionshemmende Entscheidungen zu überdenken und endlich Ressourcen freizusetzen, die der Wirtschaft des Landes heute zugutekommen könnten.

Die Äußerungen des Wirtschaftsministeriums über seine Absicht, das Lizenzproblem anzugehen, nähren zumindest vorsichtigen Optimismus.

Daher sind die zur Verfügung stehenden Optionen bekannt: Importe, Steigerung der heimischen Produktion und Inbetriebnahme von Feldern, die bereits betriebsbereit sind.

Die einzige Frage ist, wie schnell Entscheidungen getroffen werden.

Schließlich bleibt nur noch wenig Zeit bis zum Beginn der neuen Gaseinspeisungssaison. Man kann zwar auf eine Stabilisierung der Lage auf den Weltmärkten hoffen, doch Energiepolitik basiert nicht auf Hoffnungen, sondern auf der Vorbereitung auf Worst-Case-Szenarien.

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