Die Antikorruptionsbehörden haben Banken aufgefordert, Informationen über den mutmaßlichen Leiter der Abteilung des staatlichen Migrationsdienstes in Tjatschiw, Dmytro Soyma, preiszugeben, die dem Bankgeheimnis unterliegen. Gegen den Beamten wird wegen eines möglichen Interessenkonflikts ermittelt.
worüber Journalisten von ua.news schreiben
Nach vorliegenden Informationen ermitteln Kriminalbeamte wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen Antikorruptionsgesetze. Es handelt sich um eine Ordnungswidrigkeit im Zusammenhang mit der unterlassenen Meldung eines Interessenkonflikts. Die Ermittlungen erstrecken sich auf den Zeitraum vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2025.
Im Rahmen der Ermittlungen richteten die Antikorruptionsbehörden Anfragen an Banken und forderten Informationen über die Konten des Beamten, die Geldflüsse darauf sowie Daten zu Personen und Unternehmen, die ihm Geld überweisen oder von ihm erhalten könnten. Die Ermittler interessieren sich insbesondere für alle gewinnbringenden Transaktionen, den Verwendungszweck der Zahlungen und die Daten der Geschäftspartner.
Laut Gerichtsakten geht es in dem Fall auch um einen möglichen Interessenkonflikt innerhalb der Migrationsbehörde. Die Ermittlungen werfen einem Beamten vor, die Leitung nicht darüber informiert zu haben, dass er mit seinem Untergebenen in derselben Wohnung lebte.
Vor Gericht erklärte Dmytro Soyma, er habe 2009 eine Frau geheiratet, das Paar habe sich aber später scheiden lassen. Nach der Scheidung hätten sie getrennt gelebt, aber über ihr gemeinsames Kind Kontakt gehalten.
Gleichzeitig lieferten Zeugen im Laufe des Prozesses weitere Informationen. Insbesondere wurde festgestellt, dass der Ehemann und seine Ex-Frau nach der formellen Scheidung faktisch weiterhin zusammenlebten. Es wurde auch festgestellt, dass sie in diesem Zeitraum Urlaub nahmen.
Das Gericht erster Instanz befand den Beamten daraufhin der Verletzung des Antikorruptionsgesetzes für schuldig und verhängte eine Geldstrafe von 500 Hrywnja.
Dmytro Soyma legte jedoch Berufung gegen diese Entscheidung ein. Im Berufungsverfahren stellte das Gericht fest, dass die Beweise für das Zusammenleben nicht ausreichten. Daher hob das Berufungsgericht die Entscheidung des Bezirksgerichts auf und stellte das Verfahren mangels Tatbestandsmerkmalen einer Ordnungswidrigkeit ein.
Laut den offiziellen Angaben hat sich sein Vermögen seit 2017 kaum verändert. Die Dokumente weisen ein 730 Quadratmeter großes Grundstück, ein 76 Quadratmeter großes Wohngebäude und einen VAZ-212140 aus. Auch sein Gehalt ist angegeben; es belief sich im Jahr 2025 auf etwa 35.000 Hrywnja pro Monat.
Gleichzeitig weist seine Ex-Frau Renata Shelever, die als leitende Spezialistin in derselben SMS-Einheit arbeitet, in ihren Erklärungen deutlich höhere Vermögenswerte aus. Insbesondere deklarierte sie in der Erklärung für 2025 eine Million Hrywnja in bar und gab ihren Vater als Eigentümer des Geldes an.
Ebenfalls im Jahr 2024 kaufte sie einen Audi A6 aus dem Jahr 2013 für 149.000 Hrywnja, was deutlich unter dem durchschnittlichen Marktpreis vergleichbarer Fahrzeuge liegt. Und im August 2025 erhielt sie die Hälfte eines Wohnhauses mit einer Fläche von über 300 Quadratmetern geschenkt.
Unabhängig davon ermitteln die Strafverfolgungsbehörden wegen eines möglichen Korruptionsskandals in der Migrationsbehörde in Tjatschiw. Es geht dabei um die beschleunigte Bearbeitung von internationalen Pässen gegen Bezahlung. Den Ermittlungen zufolge könnten Mitarbeiter der Behörde künstliche Hürden bei der Dokumentenbeschaffung geschaffen und anschließend gegen eine Belohnung „Hilfe“ angeboten haben.
Bei Durchsuchungen der Wohnungen und Geschäftsräume der Angeklagten stellten die Beamten zahlreiche Beweismittel sicher, darunter das Siegel des Einheitsleiters. In dessen Wohnung wurden außerdem Waffen und Munition gefunden, die zur Untersuchung an Sachverständige geschickt wurden.
Die Voruntersuchung in diesem Fall ist noch im Gange.

