In der Ukraine trat am 1. März 2025 ein neuer Mechanismus zur Finanzkontrolle in Kraft, der nahezu jeden Bürger betrifft. Von nun an erfasst das Finanzamt automatisch alle Geldtransfers, die Personen erhalten, die Waren online verkaufen – selbst wenn es sich um gebrauchte Artikel handelt, die sie einfach über OLX oder soziale Netzwerke verkaufen möchten.
Bereits im März verzeichneten die Steuerbehörden Zehntausende von „Einkünften“, die über Lieferdienste, Banküberweisungen, Nova Poshta und Ukrposhta eingegangen waren. Selbst 200 UAH für alte Turnschuhe oder Kinderspielzeug gelten nun offiziell als steuerpflichtiges Einkommen: 18 % Einkommensteuer plus 5 % Wehrabgabe – insgesamt 23 %.
Dies berichtete die Volksabgeordnete Nina Yuzhanina. Laut ihren Angaben erstellen Banken und Zahlungsdienstleister automatisch Finanzschecks und übermitteln diese an den staatlichen Steuerdienst.
Die Situation ist besonders absurd für Menschen, die keiner gewerblichen Tätigkeit nachgehen, sondern lediglich überflüssige Dinge loswerden wollen – etwa durch den Verkauf alter Kleidung, Haushaltsgeräte oder Kindersachen. Nun drohen ihnen die Kontrollen des Finanzamts, Bußgelder oder die Pflicht zur Einkommensveranlagung.
Anstatt den Schattenmarkt zu bekämpfen, haben die Steuerbehörden faktisch eine Kampagne gegen Bürger gestartet, denen die finanziellen Mittel für einen Rechtsschutz fehlen. Während der Staat diejenigen „unter Druck setzt“, die ihre Kassen leeren, fließen Millionenbeträge aus Online-Casinos ungestört per Überweisung ab, und große Gerätehändler nutzen massenhaft das FOP-Modell, um die vollständige Steuerzahlung zu vermeiden.
Analysten weisen darauf hin: Das Finanzsystem sucht nach einem leichten Ziel. Der durchschnittliche Ukrainer, der weder Buchhalter noch Anwälte oder Möglichkeiten zur Steuerhinterziehung hat. Jemand, der ein Paket mit Pyjamas oder Kopfhörern für 300 Hrywnja verschickt, ist leicht zu melden.
Und während Hunderttausende von Verkäufern auf OLX, Prom.ua und Facebook Marketplace von der Steuerwelle betroffen sein könnten, bleiben große Marktteilnehmer, die seit Jahren Steuern hinterziehen, außen vor.

