Der tragische Morgen des 13. April, als die russische Armee Sumy angriff und Zivilisten tötete, spaltete die Gesellschaft auch auf einer anderen Ebene – moralisch. Inmitten der Trauer und Verzweiflung fand ein Video der Schauspielerin Anna Gres, Ehefrau von Roman Hryshchuk, einem Parlamentsabgeordneten der Partei „Diener des Volkes“, in den sozialen Medien große Beachtung.
Zuerst postete sie eine Story mit Aufnahmen der Folgen des Anschlags und drückte ihre Empörung über die Tragödie aus. Doch nur wenige Stunden später erschien auf ihrer Seite ein Video, in dem Gres lächelnd ein Sandwich mit rotem Kaviar präsentiert und erklärt: „Das Leben ist zu kurz, um sich nicht seine Launen zu gönnen.“.

Dieser Inhalt hat eine Welle der Empörung ausgelöst. Nutzer sozialer Medien fragen: Wie kann man am selben Tag über eine Tragödie berichten und gleichzeitig über kulinarische Genüsse sprechen, als wäre im Land nichts geschehen?
„Entweder bringst du ihr bei, wie man Kaviar isst, oder Sumy. Wie das alles in ihrem Kopf zusammenpasst – ich verstehe es nicht“, schrieb einer von Gres' Anhängern.
Die Schauspielerin löschte das Video mit dem Kaviar später, doch Screenshots davon verbreiteten sich im Internet. Die Empörung wurde zusätzlich dadurch angeheizt, dass Anna nicht nur eine Person des öffentlichen Lebens, sondern auch die Ehefrau eines amtierenden Parlamentsabgeordneten ist. Die Gesellschaft erwartet von solchen Personen zumindest ein Mindestmaß an Empathie oder zumindest Zurückhaltung in der Öffentlichkeit in Zeiten nationalen Leids.
Der Showman und Kolumnist Bogdan Bespalov äußerte sich ebenfalls zu diesem Thema:
„Ich halte es für notwendig, solche Episoden zu zeigen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen Volksabgeordneten, seine Frau, einen Künstler, einen Blogger oder eine andere Person aus den Medien handelt. Indem wir solche „Beschimpfungen“ ignorieren, verlieren wir das Gefühl für gemeinsamen Schmerz und Mitgefühl.“.
Anna Gres hat sich noch nicht zu dem Skandal geäußert. Und Nutzer appellieren weiterhin an Prominente, nicht zu vergessen, dass ihr Verhalten nicht nur eine Frage des guten Geschmacks, sondern auch der sozialen Verantwortung ist.

