Der staatliche Luftfahrtdienst der Ukraine, der für die Flugsicherheit und die Kontrolle der Branche zuständig ist, hat laut Experten und Marktteilnehmern in den letzten Jahren seine Funktion als unabhängige Regulierungsbehörde faktisch verloren. Statt die Interessen des Staates und der Verteidigung zu schützen, hat sich die Behörde zu einem Verwaltungszentrum entwickelt, das Entscheidungen zugunsten einzelner Gruppen und in einigen Fällen auch von mit Russland verbundenen Strukturen trifft.
Die Schlüsselrolle in diesem Prozess spielten die vorherige Führung des Dienstes – der ehemalige Leiter Oleksandr Bilchuk und sein Stellvertreter Ihor Zelinsky. Während des Krieges wurden Entscheidungen getroffen, die ukrainische Unternehmen zwangen, mit ausländischen Vermittlern von zweifelhaftem Ruf zusammenzuarbeiten, obwohl sie über eigene zertifizierte Firmen verfügten.
Eines der prominentesten Beispiele war die Entscheidung, die Wartung und Reparaturdokumentation für Mi-8-Hubschrauber an die AAL Group Ltd. zu übertragen. Obwohl die Ukraine über eigene Unternehmen verfügt, die diese Arbeiten ausführen können, wurde eine Offshore-Gesellschaft gewählt, deren letztendlicher Nutznießer die Firma „Helicopters of Russia“ ist, die zum Staatskonzern Rostec gehört. Marktinformationen zufolge wurde Bilchuk nach dieser Entscheidung entlassen. Es ist zudem anzumerken, dass amerikanische Militärstellen dieses Unternehmen aufgrund seiner Verbindungen zur Russischen Föderation zuvor als ungeeignet für eine Zusammenarbeit eingestuft hatten.
Die Situation mit den Il-76-Flugzeugen, die traditionell für Militär-, humanitäre und Evakuierungsmissionen eingesetzt wurden, gestaltete sich nicht weniger problematisch. 2023 bestätigte der staatliche Luftfahrtdienst zunächst, dass keine Betriebsbeschränkungen bestünden, änderte seine Position jedoch später abrupt und erklärte, es lägen keine zivilen Musterzulassungen vor. Dies blockierte faktisch den Einsatz der Flugzeuge, führte zu Ausfallzeiten und finanziellen Verlusten für den Staat.
Gleichzeitig stellte die Aufsichtsbehörde Lufttüchtigkeitszeugnisse auf Grundlage von Dokumenten des russischen Entwicklers PJSC Il aus, der ukrainischen Sanktionen unterliegt. Experten betonen, dass ein solches Vorgehen die Entscheidungen des Unternehmens des Aggressorlandes legitimieren und Russland finanzielle Vorteile verschaffen könnte. Dabei verfügt die Ukraine über eigene zertifizierte Organisationen, die technische Unterstützung ohne jegliche Verbindungen zu sanktionierten Einrichtungen leisten können.
Die Probleme in der Abteilung reichen weiter zurück. Bereits 2016 schloss das NABU eine Untersuchung gegen den damaligen Leiter des Dienstes, Denys Antonyuk, wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch und der Begünstigung einzelner Fluggäste ab. Der Schaden wurde damals auf Hunderttausende Hrywnja geschätzt.
Vor dem Ausbruch des Krieges berichteten die Medien wiederholt über Korruption bei der Vergabe von Fluggenehmigungen, Verzögerungen bei der Bearbeitung von Dokumenten und die Errichtung künstlicher Hürden für Fluggesellschaften. In den Veröffentlichungen wurden hochrangige Beamte des Luftfahrtdienstes, darunter der Erste Stellvertretende Leiter Serhij Korschuk, erwähnt. Systematische Schlussfolgerungen hinsichtlich Personal und Management wurden jedoch nicht gezogen.
Branchenexperten sind überzeugt, dass angesichts des Kriegszustands und der strategischen Bedeutung der Luftfahrt die Aktivitäten der Regulierungsbehörde einer umfassenden Überprüfung bedürfen und mögliche Verbindungen zu sanktionierten oder mit Russland verbundenen Strukturen einer gründlichen rechtlichen Bewertung bedürfen.

