Die Kiewer Stadtverwaltung führt derzeit eine umfassende Personalerneuerung durch, die mit mehreren Korruptionsermittlungen zusammenhängt, die die Arbeit bestimmter Abteilungen in den letzten Monaten begleitet haben. Mit Erlass Nr. 434 entließ Bürgermeister Vitali Klitschko mehrere hochrangige Beamte auf einmal und ernannte kommissarische Amtsträger.
Als einer der ersten wurde Ruslan Svitly, der Leiter der Abteilung für Sozialpolitik, entlassen. Sein Stellvertreter, Max Buchenko, wurde zum neuen Interimsleiter ernannt. Dies war eine logische Folge des aufsehenerregenden Falls der Veruntreuung von 60 Millionen Hrywnja bei städtischen Immobilien und Anschaffungen. Der Inlandsgeheimdienst SBU hatte bereits mehrere von Svitlys Stellvertretern wegen Verdachts auf Veruntreuung angezeigt, und er selbst verlor im Zuge der öffentlichen Aufmerksamkeit für die Ermittlungen seinen Posten.
Weitere Veränderungen betrafen die Abteilung für Ökologie und natürliche Ressourcen. Anstelle von Oleksandr Vozny, gegen den wegen Verstößen gegen Umweltgesetze ermittelt wird, übernahm vorübergehend Serhiy Saburov die Position. Dem ehemaligen Leiter wird vorgeworfen, Genehmigungen missbräuchlich erteilt und das Naturschutzgebiet Desnyansky Luky zerstört zu haben. Vozny trat nach Bekanntwerden des Verdachts zurück und erklärte, er gehe freiwillig.
Auch das städtische Unternehmen „Spetszhytlofond“ blieb von den Veränderungen nicht verschont. Viktor Kolomiyets wurde zum neuen kommissarischen Direktor ernannt. Die Anordnung der Kiewer Stadtverwaltung enthält weder klare Fristen noch Erläuterungen zu den Befugnissen des neuen Leiters – es heißt lediglich, er werde das Unternehmen „bis zur Klärung der Angelegenheit“ leiten. Dies könnte entweder eine kurzfristige Vertretung oder eine Krisenpause vor einer endgültigen Personalentscheidung bedeuten.
Die Antikorruptionsagenda beeinflusst zunehmend die Regierungsbildung in der Hauptstadt. Die Ernennung von kommissarischen Beamten anstelle von vollwertigen Führungskräften mag ein Zeichen für vorübergehende Lösungen sein, deutet aber auch auf Klitschkos Wunsch hin, sich von den in aufsehenerregende Fälle verwickelten Personen zu distanzieren.
Weitere Ernennungen werden voraussichtlich von den Ergebnissen der Voruntersuchungen und der politischen Lage abhängen. Doch schon jetzt ist deutlich, dass die Säuberungswelle gegen Missbrauchsverdächtige an Fahrt gewinnt.

