Die Ernennung von Wolodymyr Korolenko zum Leiter des Staatlichen Dienstes der Ukraine für Arzneimittel und Drogenkontrolle erfolgte ohne große Reformankündigungen, erregte aber aufgrund von Korruptionsvorwürfen im Zusammenhang mit seiner früheren Tätigkeit in der Behörde sofort Aufsehen. Korolenko hatte während der Amtszeit von Roman Isajenko lange Zeit das Amt des stellvertretenden Leiters des Staatlichen Dienstes inne – eine Zeit, die von einer Reihe hochkarätiger Skandale überschattet war.
Einer der aufschlussreichsten Fälle, der nach der Ernennung eines neuen Präsidenten wieder in den Fokus rückte, war die illegale Herstellung des blutstillenden Mittels „Krovospas“ in Obuchiw in der Region Kiew. Laut Ermittlungen und journalistischen Recherchen organisierte eine Gruppe im Jahr 2022 die Produktion nicht zugelassener Medizinprodukte in ungeeigneten Räumlichkeiten. Die Produkte wurden ohne Genehmigung und unter Verstoß gegen technische Vorschriften hergestellt, gelangten aber in beträchtlichen Mengen in militärische Erste-Hilfe-Sets.
Zu jener Zeit war Wolodymyr Korolenko für die staatliche Aufsicht im Staatlichen Medizinischen Dienst zuständig. Wie Journalisten herausfanden, war die Leitung der Behörde über die Aktivitäten von Einrichtungen im Zusammenhang mit der Produktion von „Krovospas“ informiert, insbesondere über eine öffentliche Organisation und ein Handelsunternehmen, die in den Lieferketten auftauchten. Anstatt jedoch zu reagieren, beschränkte sich die Behörde auf formale Stellungnahmen und verwies auf das Inspektionsmoratorium.
Nach Aufhebung des Moratoriums im Jahr 2024 wurde vom staatlichen medizinischen Dienst umfassende Inspektionen erwartet. Medienberichten zufolge waren die unangekündigten Inspektionen in Obuchiv jedoch rein formaler Natur. Beamte gaben an, es sei trotz vorhandener Dokumente zu Mietverträgen, Warentransporten und Finanztransaktionen unmöglich gewesen, die Verantwortlichen zu ermitteln. Sie versuchten, den Zugang zu den Inspektionsergebnissen einzuschränken, was den Verdacht verstärkte, die Behörde sei nicht bereit, den Fall abzuschließen.
Vor diesem Hintergrund erfolgte Korolenkos Ernennung nach dem Rücktritt von Roman Isayenko, der sein Amt im Zuge von Skandalen um die Beschaffung von Expertenleistungen und dem Verdacht, geschmuggelte Medikamente russischer Herkunft auf den Markt gebracht zu haben, niederlegte. Die Personalentscheidung bedeutete somit die Kontinuität des Managementteams und keinen kompletten Neustart.
Analysten weisen darauf hin, dass die Kernfrage nicht nur in vergangenen Skandalen liegt, sondern auch in der Fähigkeit des neuen Leiters, den Ansatz zur Regulierung des Arzneimittelmarktes zu verändern. Das jahrelange Fehlen eines entschiedenen Vorgehens gegen die illegale Produktion von Medizinprodukten während des Krieges lässt Zweifel an der Bereitschaft des derzeitigen Leiters des staatlichen Sanitätsdienstes aufkommen, von der formalen Aufsicht zu einem tatsächlichen Schutz von Patienten und Militärangehörigen überzugehen.
Korolenkos erste Personal- und Managemententscheidungen werden zeigen, ob seine Ernennung ein Versuch ist, das Vertrauen in die Arzneimittelbehörde wiederherzustellen, oder ob der Staatliche Medizinische Dienst weiterhin eine Institution bleibt, die alte Praktiken unter einem neuen Namen bewahrt.

