Der rasante Anstieg der Kraftstoffpreise und ein möglicher Düngemittelmangel infolge der Krise im Nahen Osten könnten den ukrainischen Agrarsektor und die Vorbereitungen für die Saison 2026 erheblich beeinträchtigen. Nach einer weiteren Eskalation im Iran-Konflikt reagierten die globalen Energiemärkte mit steigenden Preisen, was sich bereits auf die Inlandspreise in der Ukraine auswirkt.
Laut spezialisierten Plattformen sind die Großhandelspreise für Benzin, Diesel und Flüssiggas erneut gestiegen. Der Preis für A-95-Benzin überstieg 62 Hrywnja pro Liter, Diesel verteuerte sich auf über 71 Hrywnja. Auf dem Weltmarkt näherte sich der Ölpreis wieder der Marke von über 83 US-Dollar pro Barrel. Dies schafft die Voraussetzungen für einen weiteren Anstieg der Einzelhandelspreise in naher Zukunft.
Für Landwirte wird die Situation zusätzlich durch Beschränkungen bei den Treibstofflieferungen europäischer Raffinerien erschwert – die Lieferanten begrenzen die Liefermengen auf wenige hundert Tonnen. Dies birgt während der aktiven Vorbereitungsphase für die Aussaat das Risiko von Ressourcenengpässen.
Vertreter des Agrarsektors weisen darauf hin, dass Dieselkraftstoff bereits deutlich teurer ist als zu Beginn der letztjährigen Aussaat. Einige Betriebe konnten sich zu den alten Preisen Reserven aufbauen, viele sind jedoch gezwungen, Kraftstoff jetzt zuzukaufen, was die Kosten erheblich erhöht. Aus diesem Grund kündigen einige Landwirte eine mögliche Reduzierung der Anbaufläche an, obwohl Experten davon ausgehen, dass die meisten Betriebe ihre Arbeit fortsetzen werden.
Eine gesonderte Herausforderung stellen Düngemittel dar. Der auffälligste Preisanstieg betrifft Stickstoffdünger, insbesondere Harnstoff und Ammoniumnitrat. Nach den Transitbeschränkungen auf strategischen Seewegen sind die Weltmarktpreise für Rohstoffe zur Düngemittelproduktion gestiegen. Auch die Logistikkosten sind gestiegen, was sich zusätzlich auf den Endpreis auswirkt.
Internationale Experten gehen davon aus, dass ein erheblicher Teil des weltweiten Handels mit Düngemitteln und deren Bestandteilen über wichtige Seewege abgewickelt wird. Im Falle einer lang anhaltenden Krise ist ein globales Defizit möglich, das sich auf die weltweiten Lebensmittelpreise auswirken wird.
In der Ukraine arbeitet die heimische Düngemittelproduktion nicht mit voller Kapazität, weshalb Landwirte teilweise auf Importe angewiesen sind. Sollten die Preise für Stickstoff- und Phosphordünger hoch bleiben, könnten die Anbaukosten für Getreide und Industriepflanzen um mehr als 30 % steigen.
Experten warnen, dass dies kurzfristig eine schwierigere Aussaat und mittelfristig mögliche Auswirkungen auf Erträge und die finanzielle Stabilität der landwirtschaftlichen Betriebe bedeutet. Die endgültigen Folgen hängen jedoch von der Dauer der internationalen Krise und der Geschwindigkeit der Stabilisierung der Energie- und Logistikmärkte ab.

