Die Regierung bereitet den erstmaligen Massenverkauf von Anteilen einer staatlichen Bank an Bürger über eine mobile App vor. Es handelt sich dabei um 7 % der PrivatBank-Aktien, die über die App „Diya“ an Privatpersonen verkauft werden sollen. Man erwartet, dass dieser Schritt dem Staatshaushalt rund 18 Milliarden Hrywnja einbringen und die Bereitschaft der Ukrainer testen wird, in Kriegszeiten in Staatsvermögen zu investieren.
Laut Mind.ua ist der entsprechende Mechanismus in einer internen Regierungspräsentation dargelegt. Die Idee stammt von Ruslan Magomedov, dem ehemaligen Leiter der Nationalen Wertpapier- und Börsenkommission. Er hatte zuvor das Konzept sogenannter „Volks-IPOs“ propagiert, bei denen kleine Aktienpakete großer Staatsunternehmen direkt an Bürger verkauft werden.
Es geht vor allem um stabile und strategische Unternehmen, die Gewinne erwirtschaften und Dividenden ausschütten, aber gleichzeitig unter staatlicher Kontrolle bleiben. Zu den potenziellen Teilnehmern des Programms zählten NJSC Naftogaz aus der Ukraine, Energoatom und die PrivatBank. Die Bank selbst könnte als erstes Pilotprojekt dienen.
Im Falle der PrivatBank geht der Staat davon aus, die Kosten für die Rekapitalisierung des Finanzinstituts nach der Verstaatlichung im Jahr 2016 teilweise kompensieren zu können. Gleichzeitig ermöglicht der Verkauf einer kleinen Beteiligung, das Interesse privater Investoren zu testen und effektiv ein neues Format der „Volksprivatisierung“ einzuleiten.
Zum Jahresende 2025 ist das genehmigte Kapital der Bank in 736 Millionen Stammaktien aufgeteilt. Geplant ist die Ausgabe von 51,5 Millionen Aktien, entsprechend 7 % des Gesamtvolumens. Der Ausgabepreis beträgt 300 Hrywnja pro Aktie. Der Gesamterlös könnte sich auf rund 18 Milliarden Hrywnja belaufen.
Der Verkauf findet als Auktion über die App „Diya“ statt. Teilnahmeberechtigt sind ausschließlich ukrainische Staatsbürger. Die Auktion dauert einen Monat, und jeder Teilnehmer darf nur ein Gebot abgeben.
Um teilzunehmen, müssen Sie Geld auf ein spezielles Konto bei einer der staatlichen Banken – Ukrgasbank, Sense Bank oder Ukreximbank – einzahlen. Der maximale Einzahlungsbetrag beträgt 400.000 Hrywnja. Zum Startpreis können Sie damit bis zu 1.333 Aktien erwerben.
Anträge zum Preis des durchschnittlichen Auktionspreises oder darüber werden angenommen. Liegt der Preis darunter, wird der Betrag zurückerstattet. Nach Auktionsende werden die Aktien automatisch Wertpapierdepots bei staatlichen Banken gutgeschrieben und können später an ukrainischen Börsen gehandelt werden.
Die Regierung hebt zudem das potenzielle Investitionspotenzial hervor. Schätzungen zufolge könnte eine Aktie jährlich rund 40 Hrywnja Dividende einbringen, was einer Rendite von etwa 10 % entspricht. Für 2025 wurde eine noch höhere Dividendenrendite von 12,4 % prognostiziert.
Ein weiterer Stabilitätsfaktor ist der Abschluss der langjährigen Rechtsstreitigkeiten um die Verstaatlichung. Der High Court in London bestätigte die Position der PrivatBank und verurteilte die ehemaligen Aktionäre Igor Kolomoisky und Gennady Bogolyubov zur Zahlung von rund drei Milliarden US-Dollar Schadensersatz. Dies reduziert nach Einschätzung der Regierung die Rechtsrisiken und macht die Bank zu einem „saubereren“ Vermögenswert für Investoren.
Wenn der Pilotverkauf erfolgreich verläuft, könnte ein ähnliches Modell auf andere große staatseigene Unternehmen angewendet werden, was eine neue Phase der Privatisierung in der Ukraine darstellen würde.

