Das russische Militär setzt im Kampf gegen ukrainische Drohnen eine neue Taktik ein: Abfangdrohnen, die mit Metallstangen zur Beschädigung von Zielen ausgestattet sind, sind in der Luft aufgetaucht. Dies berichtet die britische Zeitung „The Telegraph“ unter Berufung auf Experten.
Hierbei handelt es sich um den Versuch einer Art „Luftkampf“, bei dem Drohnen keine Sprengstoffe einsetzen, sondern versuchen, den Gegner mechanisch zu beschädigen. Konkret werden Metallstangen oder dreizackförmige Strukturen verwendet, um die Hülle oder die Tragflächen ukrainischer Drohnen zu durchdringen.
Analysten erklären, dass diese Taktik teilweise auf den Eigenschaften einiger ukrainischer Drohnen beruht, die aus billigeren Materialien wie Polystyrol oder Schaumstoff hergestellt werden. Dies senkt zwar die Produktionskosten, macht die Drohnen aber gleichzeitig anfälliger für Beschädigungen.
Der ukrainische Journalist und Experte für autonome Systeme, David Kirichenko, merkt an, dass dies eine bemerkenswerte Weiterentwicklung der russischen Vorgehensweise darstellt. Während die Bediener zuvor meist einfach versuchten, ein Ziel zu rammen und abzuschießen, setzen sie nun zusätzliche Mittel ein, um die Wahrscheinlichkeit eines Schadens zu erhöhen.
Zu den möglichen Vorteilen dieser Methode gehört die Chance, die Abfangdrohne nach dem Angriff zu erhalten und wiederzuverwenden. Experten stehen dieser Idee jedoch skeptisch gegenüber.
Professor Justin Bronk vom Royal United Services Institute merkt an, dass solche Kollisionen in der Praxis häufig zu Schäden an beiden Fahrzeugen führen. Zudem ist ein präziser Treffer deutlich schwieriger zu erzielen als der Einsatz eines Sprengkopfes in Zielnähe.
Der Analyst Samuel Bendett teilt diese Ansicht und warnt davor, dass solche „Rammangriffe“ für beide Seiten riskant sein können und kein stabiles Ergebnis garantieren.
Trotzdem deutet das Aufkommen solcher Lösungen auf eine ständige Suche nach neuen Wegen hin, um billigen und in Massenproduktion hergestellten Drohnen entgegenzuwirken, die zu einem der Schlüsselelemente der modernen Kriegsführung geworden sind.

