Die Ukraine bereitet sich darauf vor, ohne amerikanische Hilfe zu kämpfen

Ukrainische und westliche Analysten warnen, dass der Krieg deutlich schwieriger werden würde, sollte US-Präsident Donald Trump die Militärhilfe für Kiew dauerhaft einstellen. Besonders spürbar wäre der Verlust der amerikanischen Geheimdienstinformationen und des Starlink-Satellitensystems, ohne das moderne Kriegsführung unmöglich ist.

Trotz des möglichen Verlusts der US-Unterstützung glauben ukrainische Militärs und Experten, dass die Armee die Verteidigung mindestens ein halbes Jahr lang aufrechterhalten kann. Dies ist jedoch nur möglich, wenn Europa den Waffenverlust kompensieren kann. Der Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses der Werchowna Rada, Oleksandr Mereschko, ist überzeugt, dass auch die russische Armee erschöpft ist und selbst ohne amerikanische Waffen nicht schnell vorrücken kann. Im schlimmsten Fall gelingt es Russland, etwas mehr Territorium zu erobern.

Das größte Problem der Ukraine ist heute nicht der Waffenmangel, sondern der Mangel an Mobilisierungskräften. Westliche Beamte behaupten, die ukrainischen Streitkräfte versuchten monatlich bis zu 30.000 neue Soldaten zu rekrutieren, doch immer mehr Ukrainer verweigern den Wehrdienst. Die Abgeordnete Julia Klymenko befürchtet, dass eine Senkung des Wehrpflichtalters die Situation nur verschärfen würde, da junge Männer massenhaft ins Ausland abwandern würden.

Klymenko betont, dass die Regierung ältere Männer effektiver mobilisieren und die militärische Ausbildung verbessern müsse. „Die Menschen haben Angst, ohne Ausbildung und Waffen an die Front geschickt zu werden. Sie wollen nicht Kanonenfutter sein“, erklärt sie.

Trotz der Schwierigkeiten hat die Ukraine die Chance, ihre Verteidigung mithilfe modernster Technologien aufrechtzuerhalten. Mustafa Nayem ist überzeugt, dass Drohnen und Robotersysteme den Mangel an Artillerie und gepanzerten Fahrzeugen ausgleichen können. Er betont, dass die Priorität nicht in der Lieferung von HIMARS-Raketen liegen sollte, sondern in der Finanzierung der Produktion von 10.000 Drohnen pro Monat.

Die ukrainische Industrie hat in diesem Bereich bereits bedeutende Fortschritte erzielt. Oleksandr Yakovenko, CEO von TAF Drones, prognostiziert eine Drohnenproduktion von 2,5 bis 3 Millionen Stück im Jahr 2025. Gleichzeitig räumt er ein, dass die Russen sich schnell an neue Technologien anpassen und der technologische Abstand zwischen den Konfliktparteien mittlerweile minimal ist.

Westliche Militärexperten warnen, dass Europa selbst dann, wenn Trump die Unterstützung für die Ukraine nicht blockiert, den Waffenmangel nicht schnell ausgleichen kann. Die Waffenbestände der NATO-Staaten sind erheblich reduziert, und das Produktionstempo ist weiterhin unzureichend.

Europäische Staats- und Regierungschefs befürchten zudem, dass aktive Hilfe für Kiew einen diplomatischen Konflikt mit Trump auslösen könnte, sollte er tatsächlich eine Einigung mit Russland anstreben. Einige Diplomaten vermuten bereits, dass die USA sich einer Ausweitung der Militärhilfe für die Ukraine sogar offen widersetzen könnten.

Trotz der Erschöpfung und der schwierigen Umstände hat die Ukraine nicht die Absicht, den Kampf aufzugeben. „Wenn wir kapitulieren, wird sich die Lage nur noch verschlimmern“, betont der Abgeordnete Oleksandr Merezhko. Die Ukraine sucht weiterhin nach neuen Wegen, die Armee zu unterstützen, darunter die Steigerung der eigenen Waffenproduktion und die Intensivierung der Zusammenarbeit mit europäischen Partnern.

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