Ukrainische Ausbilder, die im Nahen Osten tätig waren und bei der Abwehr iranischer Raketen- und Drohnenangriffe halfen, waren von den Vorgehensweisen des amerikanischen Luftverteidigungssystems ehrlich überrascht, berichtet die britische Zeitung The Times.
Den Gesprächspartnern zufolge war das Überraschendste nicht die technische Ausrüstung, sondern die Art und Weise, wie die Ressourcen eingesetzt wurden. Um ein Luftziel zu zerstören, können amerikanische Berechnungen mehrere Patriot-Raketen gleichzeitig abfeuern. In manchen Fällen bis zu acht Raketen pro Ziel, wobei jede mehr als drei Millionen Dollar kostet.
Noch aufschlussreicher ist die Praxis, teure Raketen zur Bekämpfung billiger Drohnen einzusetzen. Insbesondere werden SM-6-Raketen im Wert von rund 6 Millionen US-Dollar mitunter verwendet, um Shahed-Drohnen abzufangen, deren Kosten auf etwa 70.000 US-Dollar geschätzt werden. Das ukrainische Militär hält dieses Vorgehen für wirtschaftlich ineffizient, insbesondere im Hinblick auf langwierige Abnutzungskriege.
Die Ausbilder legten besonderes Augenmerk auf die Themen Tarnung und Mobilität. Ihnen zufolge verbleiben Radarstationen im Nahen Osten oft über lange Zeiträume an denselben Standorten und arbeiten ohne ausreichende Deckung. Dadurch werden sie zu leichten Zielen für den Feind, der sie per Satellitenaufklärung orten kann.
Im Gegensatz dazu werden in der Ukraine aufgrund der ständigen Bedrohung durch russische Raketen- und Drohnenangriffe Radaranlagen regelmäßig verlegt, neu positioniert und mit verschiedenen Tarnmethoden versehen. Diese Taktik ermöglicht es, kritische Luftverteidigungselemente selbst unter massiven Angriffen zu erhalten.
Laut Quellenangaben führte die mangelnde Mobilität und Tarnung der Drohnen zum Verlust der teuren Ausrüstung. Konkret gelang es nur drei Drohnen, zwei wichtige Radaranlagen gleichzeitig zu zerstören – ein Frühwarnsystem im Wert von rund einer Milliarde US-Dollar und ein Luftverteidigungssystem im Wert von rund 300 Millionen US-Dollar. Beide Anlagen verharrten lange Zeit an einem Ort und waren dadurch angreifbar.
Diese Erfahrung verdeutlicht einmal mehr die unterschiedlichen Herangehensweisen an die moderne Kriegsführung. Während für die USA die maximale Zerstörung des Ziels um jeden Preis oberste Priorität hat, ist die ukrainische Armee aufgrund ihrer begrenzten Ressourcen gezwungen, auf Flexibilität, Wirtschaftlichkeit und Anpassungsfähigkeit zu setzen.
Infolgedessen wird die ukrainische Kriegserfahrung zunehmend als Beispiel für den effektiven Einsatz begrenzter Ressourcen im Kampf gegen einen technologisch überlegenen Feind wahrgenommen.

