Die russische Armee erhöht den Druck auf den Donbas und erobert neue Gebiete, doch der strategische Fokus der Besatzer verlagert sich allmählich nach Süden. Laut der Financial Times gehen die ukrainischen Behörden davon aus, dass Russland eine großangelegte Offensive in der Region Cherson vorbereitet.
Eine neue Offensive
Im vergangenen Monat haben russische Streitkräfte bedeutende Gebiete im Donbas erobert und bedrohen damit strategisch wichtige Städte wie Pokrowsk und Kurachowe. Cherson, die erste Regionalhauptstadt, die seit dem Einmarsch 2022 besetzt wurde, bleibt jedoch für sie ein „wertvoller Gewinn“.
Der Chef der Chersoner OVA, Oleksandr Prokudin, warnt: Russland hat über 300 Boote für eine mögliche Überquerung des Dnepr zusammengezogen. Die Besatzer haben zudem ihre besten Drohneneinheiten eingesetzt und ihre Angriffstechniken sowie die Ausbildung ihrer Bediener verbessert.
Seit Mitte des Sommers haben russische Streitkräfte über 9.500 Drohnenangriffe auf Cherson und Umgebung geflogen. Ziele sind nicht nur militärische Einrichtungen, sondern auch Zivilisten. Die Drohnen greifen Transporte, humanitäre Konvois, Märkte, Tankstellen, Cafés und Hilfszentren an.
„Die Zivilbevölkerung von Cherson wurde Opfer eines in der modernen europäischen Kriegsführung beispiellosen Experiments“, schreibt die Financial Times.
Viele Anwohner tragen Detektoren bei sich, um sich nähernde Drohnen zu erkennen. Ihre Flugreichweite (bis zu 15 km), Geschwindigkeit von über 100 km/h und die Fähigkeit, in niedrigen Höhen zu fliegen, machen sie jedoch nahezu unverwundbar.
Kreml-Pläne
Experten gehen davon aus, dass die Zunahme der Angriffe Teil des Kreml-Plans ist, Druck auf die Ukraine auszuüben. Russland versucht, seine Position im Vorfeld eines möglichen Regierungswechsels in den USA nach den Wahlen 2024 zu stärken.
Die ukrainischen Behörden beobachten die Entwicklungen aufmerksam. Wie Prokudin anmerkt, könnte Cherson zum Epizentrum einer neuen Offensive werden, und die Anhäufung feindlicher Ressourcen deutet auf Vorbereitungen für einen längeren Kampf hin.

