Der ukrainische Schrottmarkt schrumpft rapide. Infolge von Krieg, Industrieverlusten und logistischen Herausforderungen sind die Vorräte auf den niedrigsten Stand seit 1995 gefallen. Trotzdem steigen die Exporte weiter an und stellen eine Bedrohung für Wirtschaft und nationale Sicherheit dar.
Dies erklärte die Vorsitzende des Industrierats des Verbandes der Metallurgen der Ukraine, Olena Kolesnikova, in einem Kommentar gegenüber RBC-Ukraine.
„ Ein bedeutender Teil des ukrainischen Altmetalls wird in die EU exportiert, wo er dann in Drittländer, vor allem in die Türkei, weiterverkauft wird, wodurch die ukrainische Ausfuhrabgabe von 180 Euro pro Tonne umgangen wird “, bemerkte sie.
Laut ihrer Aussage ermöglicht ein solches System die Vermeidung von Zöllen, was zu Haushaltsverlusten in Milliardenhöhe führt. Im Jahr 2023 verzeichnete der Staatshaushalt ein Defizit von über 2 Milliarden Hrywnja, und in diesem Jahr hat es bereits 3 Milliarden überschritten.
Statt die heimische Metallurgie zu fördern, wird Schrott exportiert, während im Inland ein akuter Mangel herrscht: Das Defizit beträgt derzeit mindestens 300.000 Tonnen. Ukrainische Unternehmen stehen ohne Rohstoffe da, und eine strategische Ressource wandert ins Ausland ab.
„ Die Verarbeitung einer Tonne Schrott in der Ukraine bringt achtmal so hohe Steuereinnahmen wie Exporte. Und Metalle werden nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Verteidigungsindustrie und den Wiederaufbau benötigt “, betonte Kolesnikowa.
Allein im Juni 2025 stieg das Exportvolumen von Schrott aus der Ukraine im Vergleich zum Vorjahr um 115 %. Hauptabnehmer war Polen, das über 70 % aller Lieferungen erhielt.
Gleichzeitig erkennt auch die Europäische Kommission Altmetall als strategische Ressource an: Im Rahmen des „Green Deals“ plant die EU, dessen Export außerhalb der Union zu begrenzen. Kolesnikowa betont, dass die Ukraine ähnlich handeln sollte.
Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehören:
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Schaffung eines öffentlichen Registers von Schrottexporteuren,
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grenzüberschreitender Informationsaustausch mit den Zollbehörden der EU-Länder,
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insbesondere mit Polen als wichtigstem Transitpartner.
Experten fordern die Regierung auf, dringend Maßnahmen zu ergreifen, um den Export kritischer Rohstoffe zu stoppen, weitere Haushaltsverluste zu vermeiden und die heimische Industrie zu erhalten.

