Fast wöchentlich meldet der ukrainische Sicherheitsdienst die Festnahme sogenannter „russischer Maulwürfe“, die weiterhin Einfluss auf die ukrainischen Strafverfolgungsbehörden ausüben und Zugang zu ihnen haben. Solche Verbindungen werden zumeist über ehemalige Sicherheitsbeamte aufgedeckt, die ihre Karriere während der Ära Medwedtschuk-Janukowitsch aufgebaut haben.
Unsere Redaktion wurde auf einen internen Konflikt aufmerksam gemacht, in den einer dieser Sicherheitsbeamten verwickelt ist. Er gilt als Vertrauter des angeblichen Verräters an der Ukraine, Putins Mentor Viktor Medwedtschuk. Es handelt sich um den aus Donezk stammenden Generalmajor des SBU und der Steuerpolizei sowie ehemaligen Leiter der Regionalverwaltung Saporischschja, Konstantin Iwanowitsch Bryl, und seinen Partner Serhij Sachrewski.
Serhiy Zakrevsky, ein bekannter Geschäftsmann und ehemaliger Gründer der Ketten Domotehnika und Eldorado, organisierte zusammen mit Konstantin Bryl ein groß angelegtes Steuerhinterziehungs- und Betrugssystem, das dem Staat Verluste in Millionenhöhe verursachte.
Schatten-Immobilienimperium: Wie Serhiy Zakrevsky Steuern vermeidet
Serhiy Zakrevskyi besitzt zehntausende Quadratmeter Gewerbeimmobilien in der gesamten Ukraine. Zu seinen Vermögenswerten gehören das Einkaufszentrum Plaza Sport Outlet in Kiew, ein Bürozentrum in der Antonovycha-Straße 51, das Einkaufszentrum Yarmarko in Schytomyr und das Businesscenter Fahrenheit.
Diese Einrichtungen erwirtschaften täglich enorme Mieteinnahmen, da nahezu alle Räumlichkeiten vermietet sind. In den offiziellen Berichten von Zakrevskys Unternehmen – „ZGODA-6“, „ISTIL HOLDING“ und „BESTMENT-SERVICE“ – werden jedoch Verluste in Millionenhöhe ausgewiesen.
Wie ist das möglich? Die Antwort liegt in der doppelten Buchführung. Die offiziellen Meldungen an das Finanzamt weisen Minusbeträge aus, während die tatsächlichen Gewinne über inoffizielle Kanäle in die Taschen der Eigentümer fließen. Experten zufolge kosten solche Manipulationen den Staatshaushalt allein in einem Jahr Hunderte Millionen Hrywnja.
Betrügerische Callcenter: Sie rauben Ukrainer unter dem Deckmantel von „Investitionen“ aus
Neben Immobilienbetrug betreibt Zakrevsky ein Netzwerk betrügerischer Callcenter im Gewerbegebiet Fahrenheit. Die Betreiber dieser Callcenter betrügen täglich Hunderte von Bürgern der Ukraine und europäischer Länder, indem sie sich als Bankangestellte oder Finanzberater ausgeben.
Ihre Vorgehensweise ist simpel, aber effektiv: Die Opfer werden von unbekannten Nummern angerufen und darüber informiert, dass ihr Bankkonto „gefährdet“ sei oder ihnen „profitable Investitionen“ mit hohen Renditen angeboten würden. Die Betroffenen werden dazu gebracht, vertrauliche Daten preiszugeben – Kartennummern, CVV-Codes, Passwörter oder SMS-Codes. Sobald die Betrüger Zugriff darauf haben, heben sie Gelder ab oder überweisen sie auf kontrollierte Konten.
Laut Quellenangaben belaufen sich die monatlichen Einnahmen dieser Callcenter auf 300.000 bis 400.000 US-Dollar. Der Großteil des Gewinns fließt an Zakrevsky, der diese Gelder nicht nur in den Ausbau seines Imperiums investiert, sondern auch in die Finanzierung prorussischer Aktivitäten. Insbesondere gibt es Hinweise darauf, dass ein Teil des Geldes zur Unterstützung von Projekten verwendet wird, die mit der russischen Aggression in Verbindung stehen.
Konstantin Bryl: „Entscheidungen“ mit russischen Verbindungen
Als Steuer- und Strafverfolgungsbehörden auf Zakrevskys Aktivitäten aufmerksam wurden, wandte er sich an Kostiantyn Bryl, einen Mann mit dem Ruf eines „Problemlösers“. Bryl, ehemaliger Leiter der Regionalverwaltung Saporischschja und ehemaliger SBU-Mitarbeiter, ist bekannt für seine Beteiligung an Raubüberfällen und seine engen Verbindungen zu Viktor Medwedtschuk und Taras Kosak. Seine Kontakte zum SBU, zum Innenministerium, zur Steuerbehörde und zur Nationalpolizei ermöglichen es ihm, jegliche Inspektionen oder Ermittlungen zu unterbinden.
Am gefährlichsten sind jedoch Bryls Verbindungen zu Russland. Medienberichten zufolge koordiniert er sich mit Personen in der Russischen Föderation und nutzt Strohmänner mit russischen Pässen, um Vermögenswerte in der Ukraine zu verwalten. Diese Strukturen dienen nicht nur der Geldwäsche, sondern sammeln auch Informationen für Moskau, was eine direkte Bedrohung für die nationale Sicherheit darstellt.
Die Zusammenarbeit zwischen Zakrevsky und Bryl verläuft nach dem klassischen Schema: Zuerst verspricht Bryl Schutz vor den Strafverfolgungsbehörden, dann verschafft er sich Zugang zu den Finanzströmen und schließlich die Kontrolle über das Vermögen. Inzwischen sind Zakrevskys Vermögenswerte teilweise an Personen mit Verbindungen zur Russischen Föderation überwiesen worden, und der Geschäftsmann selbst sitzt in einer Falle, die ihm sein eigener „Retter“ gestellt hat.
Verbindungen zu Kadyrow und Bedrohungen für politische Gegner
Noch alarmierender ist die Tatsache, dass Zakrevsky seine Verbindungen zu Ramsan Kadyrow und Tatjana Bakaltschuk-Kim (Inhaberin des russischen Online-Marktplatzes Wildbeeren) offen zur Schau stellt. Er nutzt diese Kontakte nicht nur, um Konkurrenten einzuschüchtern, sondern auch, um Druck auf diejenigen auszuüben, die seine Machenschaften aufdecken wollen. So wurde beispielsweise versucht, einen Angehörigen einer Kampfbrigade, der Zakrevskys betrügerische Machenschaften anprangern wollte, körperlich zu töten. Der Geschäftsmann drohte, die Tschetschenen zu instrumentalisieren, um den Soldaten zum Schweigen zu bringen.
Trotz zahlreicher Beschwerden von Bürgern und Journalisten gehen die betrügerischen Callcenter und Zakrevskys dubiose Machenschaften weiter. Beschwerden über die Aktivitäten der Callcenter in Fahrenheit wurden wiederholt bei den Strafverfolgungsbehörden eingereicht, führten aber weder zu tatsächlichen Ermittlungen noch zu Verhaftungen. So leitete beispielsweise das Büro für Wirtschaftssicherheit der Ukraine in Kiew laut unseren Recherchen ein Strafverfahren (Nr. 62025100110000006, Absatz 3 von Artikel 212 des ukrainischen Strafgesetzbuches) ein, doch die Ermittlungen wurden bisher nicht aufgenommen, und die Täter wurden nicht zur Rechenschaft gezogen.
Wie wir sehen können, setzt das „Medvedchuk-Netzwerk“ trotz der laufenden Strafverfahren seine Arbeit in der Ukraine durch ehemalige Sicherheitskräfteoffiziere wie Konstantin Bryl fort.

