Ein weiterer Baukonflikt in Kiew: Pläne zum Bau eines Hochhauses auf dem Gelände eines Kindergartens

Im Kiewer Stadtteil Solomianskyi bahnt sich ein weiterer Baukonflikt an. Auf dem Grundstück in der Sachidny-Gasse 4, wo sich derzeit ein kleines Geschäftsgebäude befindet, soll ein 25-stöckiges Wohngebäude mit öffentlichen Bereichen und Parkplätzen entstehen. Die Bezeichnung des Projekts – „Umbau“ – hat bei den Anwohnern für Empörung gesorgt. Sie glauben nicht, dass es sich lediglich um den Wiederaufbau eines bestehenden Gebäudes handelt, sondern um einen tatsächlichen Wohnungsneubau.

Formal gesehen verläuft die Geschichte folgendermaßen: Im Jahr 2021 erließ das städtische Amt für Stadtplanung und Architektur städtebauliche Auflagen und Beschränkungen für die Sport Invest System LLC zur Umwandlung eines Einkaufszentrums in ein mehrgeschossiges Wohngebäude. Gleichzeitig blieb die geplante Nutzung des Grundstücks, wie aus den Unterlagen hervorgeht, weiterhin auf den Betrieb und die Instandhaltung des Einkaufszentrums, also Einzelhandelsflächen, beschränkt. Diese Diskrepanz wurde zu einem der Hauptargumente der Kritiker des Bauvorhabens.

Die Zweifel verstärkten sich, nachdem Informationen öffentlich wurden: Angeblich sollen an diesem Standort nicht nur ein, sondern zwei 25-stöckige Gebäude mit Stylobat geplant sein. Für ein kleines Gebäude mit einer Fläche von etwa 700 Quadratmetern wirkt dies nicht wie ein klassischer Neubau, sondern eher wie der Versuch, ein neues Wohnbauprojekt mit einer weniger strengen rechtlichen Struktur durchzusetzen. Deshalb sprechen die Bewohner der Karavayev-Datschas nicht nur von einem weiteren „Bausturm“, sondern auch von der Gefahr einer zusätzlichen Belastung für Schulen, Kindergärten, den öffentlichen Nahverkehr und die bestehende Infrastruktur des Viertels.

Ein weiterer wichtiger Aspekt dieser Geschichte: Die Strafverfolgungsbehörden hatten sich bereits für das Objekt interessiert. Im Herbst 2021 leitete die Polizei ein Strafverfahren wegen möglicher Verstöße gegen das Bau- und Planungsrecht bei den Bauarbeiten auf dem Gelände ein. Doch dann verlief der Fall praktisch im Sande. 2023 lehnte das Gericht eine Inspektion durch die Ermittler ab, da diese keine ausreichende Begründung und Beweise für illegale Bauten vorgelegt hatten. Danach gab es keine nennenswerten Fortschritte mehr in dem Fall.

Nicht weniger aufschlussreich ist der bürokratische Teil der Geschichte. Zunächst verweigerte die zuständige Behörde die Genehmigung für die Bauarbeiten, unter anderem mit der Begründung, die Bauabsichten stimmten nicht mit dem vorgesehenen Zweck des Grundstücks überein und einige der erforderlichen Genehmigungen fehlten. Ende 2022 wurde jedoch schließlich doch eine Baugenehmigung erteilt. Erst danach wurde das Projekt wieder aufgenommen.

Ein weiteres Rätsel ist die Frage, wer hinter der Mieterfirma steckt. Laut öffentlich zugänglichen Registern wurde die Sport Invest System LLC im Jahr 2013 gegründet, und ihre Geschäftsführerin ist seit März 2026 Lina Orlenko. Im Juli 2025 änderte sich die Eigentümerstruktur des Unternehmens: Andriy Kobets, Dmytro Bilonog, Bohdan Dudka und Ihor Khodakevych gehören nun zu den Miteigentümern und Begünstigten. Im selben Jahr schied Mykola Trukhin, der Vater des ehemaligen Abgeordneten Oleksandr Trukhin, aus dem Gründerkreis aus.

Gleichzeitig ist eine wichtige Nuance hervorzuheben. Die Publikation „KyivVlad“, die über dieses Projekt berichtete, veröffentlichte später einen separaten Bericht, der einige der vorherigen Informationen widerlegte. Die Redaktion stellte klar, dass die Daten über die angebliche Verbindung von Vladyslav Molchanova zur LLC „Sport Invest System“, zur LLC „Monolit Budservice“ und zum Bauprojekt selbst in der Zakhidny-Gasse 4 unzuverlässig seien. Daher gibt es derzeit keinen Grund, diesen Baufall als erwiesene Tatsache mit Molchanova in Verbindung zu bringen.

Eines bleibt jedoch unbestreitbar: Für das Gewerbegrundstück liegen bereits Genehmigungen für ein Hochhaus vor, und die Anwohner erfuhren erst durch eine Informationstafel vor Ort vom wahren Ausmaß des geplanten Bauvorhabens. Dies ist wohl die treffendste Erklärung dafür, warum sich die Geschichte in der Zakhidny-Gasse rasch von lokalem Unmut zu einem ausgewachsenen Kiewer Bauskandal entwickelt.

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