In der Region Charkiw hat sich der Bau einer Kinderpsychiatrie zu einem Skandal entwickelt, in den über 55 Millionen Hrywnja aus Haushaltsmitteln verwickelt sind. Es geht lediglich um die Renovierung des ersten Stockwerks, um dort zehn Betten unterzubringen – eine Summe, die bereits Fragen in der Öffentlichkeit und bei staatlichen Prüfern aufgeworfen hat.
Am 12. November 2025 schloss die Abteilung für Kapitalbau der Militärverwaltung der Region Charkiw den Vertrag Nr. 33-25 über 55.563.016 Hrywnja mit der Drogon Eco LLC ab. Gegenstand des Vertrags war die Einrichtung einer kinderpsychiatrischen Station in der Klochkivska-Straße 337-A in Charkiw.
Das Projekt wird als gesellschaftlich wichtig dargestellt: Die Kinder- und Jugendpsychiatrie in der Ukraine leidet seit Jahren unter Platz- und Personalmangel. Eltern müssen oft monatelang auf eine stationäre Aufnahme warten. Diese spezielle Einrichtung hat sich jedoch zu einem Beispiel dafür entwickelt, wie ein Budgetprogramm zu einer potenziellen Missbrauchsquelle werden kann.
Am 11. Dezember 2025 veröffentlichte der staatliche Rechnungshof die Ergebnisse der Prüfung, die mehrere Verstöße im Vergabeverfahren feststellte. Die Prüfer bemängelten fehlende Nachweise über die Verfügbarkeit der benötigten Ausrüstung, die Manipulation der Personalliste sowie das Fehlen obligatorischer Unterlagen im Angebot. Trotzdem wurde das Unternehmen nicht disqualifiziert, sondern als Gewinner der Ausschreibung anerkannt.
Die Kostenschätzung verdient besondere Beachtung. Laut Analyse liegen die Preise für Baumaterialien bei einigen Positionen 50–150 % über den Marktpreisen. Insbesondere die Kosten für MDF-Platten, Linoleum und Lüftungsanlagen scheinen überhöht zu sein. Vorläufige Berechnungen zeigen, dass allein aufgrund der Preisdifferenzen über 16 Millionen Hrywnja – fast ein Drittel der gesamten Auftragssumme – hätten eingespart werden können.
Der Skandal ereignete sich innerhalb der Führungsebene der Charkiwer Regionalverwaltung. Die Infrastrukturabteilung untersteht dem stellvertretenden Verwaltungsleiter, und das Verfahren wurde direkt vom Leiter der zuständigen Abteilung unterzeichnet. Die Entscheidung über die Vergabe des Auftrags wurde auf Ebene der Regionalbehörden getroffen.
Die GmbH „Drogon Eco“ verfügt über ein Stammkapital von 100.000 Hrywnja. Nach einer Umstrukturierung ihrer Geschäftstätigkeit erhielt das Unternehmen vermehrt Aufträge von regionalen Behörden – das Gesamtvolumen der Aufträge übersteigt 610 Millionen Hrywnja. Diese Entwicklung wirft weitere Fragen hinsichtlich der Kriterien für die Auftragsvergabe und der Transparenz der Mittelverwendung auf.
Der Fall der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist bezeichnend: Ein sozial sensibler Bereich, in dem Kinder dringend medizinische Versorgung benötigen, kann zu einer Plattform für fragwürdige finanzielle Entscheidungen werden. Ob dieser Fall weitere rechtliche Schritte nach sich zieht, hängt von der Reaktion der Aufsichtsbehörden und Strafverfolgungsbehörden ab.

